Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 424 (sequence 427)
- Language
- German, English, Hebrew
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424 14. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte über die Einheit der Arbeiter und andere Probleme haben als Ihr, und doch haben wir auf diesem Kongreß nicht jene Kräfte in der Welt angegriffen, denen Ihr Euch offenbar nahe fühlt. Aber Ihr greiflt jene Kraft in der Welt an, die in dieser schweren Zeit als einzige auf Seiten der Juden steht, Ihr seid mir große jüdische Patrioten! Dort, wo Sozialisten noch etwas zu sagen hatten, litten die Juden keine Verfolgungen. Ihr aber kommt in der Zeit Hitlers und wollt die fast einzige Kraft, die noch für uns Sympathien hat, beschimpfen. Ihr redet hier im Geiste der Arbeiter- und Judenfeinde, die zeitweilig in manchen Ländern gesiegt haben. ' Ihr seid sehr schlechte Politiker. Denkt doch darüber ein wenig nach! (Stürmischer Beifall, lauter Lärm und Zwischenrufe der Delegierten der Judenstaatspartei: Spricht so ein* Mitglied der Exekutive, ist das der Leiter des Organisations-Departements?) Ich bin Delegierter und darf reden wie Ihr. Herr Großmann hat uns hier auf eine sehr merkwürdige Weise die Andeutung gemacht, daß zwischen Prag und Luzern etwas geschehen sei. Doch ich kann ihm versichern: Auf dem Weg zum Judenstaat wird er bei uns das gleiche nicht erleben! (Lebhafter BeifalL Auf den Bänken der Judenstaatspartei bricht nach diesen Worten Lockers stürmischer Protest aus. MEIR GROSSMANN: Ist das die feine Erziehung eines Gentleman? PHILIPP ROSENSTEIN verlangt, daß der Vorsitzende den Redner zur Ordnung rufe.) BERL LOCKER (fortfahrend): Ich habe nicht erwartet, daß meine Rede der Judenstaatspartei gefallen wird. Und was den Anstand betrifft, so überlasse ich das Urteil darüber der Mehrheit des Kongresses; auf Euer Urteil gebe ich nichts. Herr Großmann möge sehr lange leben, hundert Jahre und mehr, doch dazu, was er meint, wird es nicht kommen. Das wird er nicht erleben (Heiterkeit und lebhafter Beifall). Nun noch ein charakteristisches Beispiel für den inneren Zustand der Bewegung. Dr. Schwarzbart hat uns nicht nur vorgeworfen, daß wir die Revisionisten vertrieben haben, er und andere Führer seiner Gruppe haben auch behauptet, wenn es in Krakau zu einer Spaltung der Allgemeinen Ziontsten gekommen ist, so sei das nichts als eine Intrigue der Linken; wäre Locker nicht in Krakau gewesen, so wäre alles schön und gut gegangen. Ich müßte Ihnen sehr dankbar sein für die große Kraft, die Sie meiner Person zuschreiben. In Krakau war die Elite beider Teile der Allgemeinen Zionisten versammelt, doch der Satan saß in der Mitte und ließ sie nicht zueinander kommen. Solch eine Auffassung ist doch kindisch. Dr. Mossinson sagte in Tel Aviv, es wäre taktisch nicht richtig gewesen, einen Vertreter der Linken nach Krakau zu schicken. Ich habe Dr. Mossinson geantwortet, daß ich nicht als Linker kam, sondern um die Konferenz zu begrüßen und das Interesse der Exekutive an ihr auszudrücken (Lärm und Unruhe rechts, Zwischenrufe MEIR GROSSMANN). VORS. VIZEPRÄS. DR. MOSSINSON: Herr Großmann, es geht