Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 423 (sequence 426)
- Language
- German, English, Hebrew
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Locker, Mossinson 423 Kongreß mit all seinen Fehlern ein jüdisches Volksparlament im besten Sinne des Wortes. Es gibt aber auch berechtigte Klagen. Wir haben eine Krise der zionistischen Bewegung, Rein äußerlich drückt sie sich u. a. in dem Weggehen der Revisionisten aus und darin, daß eine andere Partei zum Kongreß kommt und die Generaldebatte verhindern will. Das ist ihr nicht gelungen, aber ein gefährlicher Präzedenzfall ist geschaffen. Man hat bei uns offenbar keine Ahnung davon, was eigentlich die Aufgabe der Opposition ist. Auch die Opposition selbst weiß das nicht. Herr Großmann meint, die Aufgabe der Opposition wäre, alles zu sagen, was der Mehrheit unbequem ist. Ich glaube, daß das, was er sagt, ihm selbst unbequem werden kann. (Zwiscfenruf MEIR GROSS¬ MANN: Sorgen Sie sich nicht um uns!) Ich sorge nicht für Euch, dafür sorgt Ihr schon allein. Aber Herr Großmann hat sich immer als die kommende Mehrheit betrachtet. Was er heute tut, beweist, daß er diese Hoffnung aufgegeben hat (Heiterkeit und Beifall). Aber er sorgt dafür, daß man sich mit ihnen befaßt. Er wird seine Freude daran haben, im Kongreßbericht unter G nachzuschlagen, wieviel Mal dort Großmann erwähnt ist, oder unter J, wieviel Mal dort die Judenstaatspartei genannt ist (Zwischenruf MEIR GROSSMANN: Ein feiner Gentleman!) Hierherzukommen im Namen des Judenstaatsgedankens und die ganze Zeit über nur zu tun, was im Gegensatz zu jeder staatlichen Verantwortlichkeit steht, ist sehr charakteristisch für die moralische Krise in der zionistischen Bewegung. Und noch eins: Herr Großmann hat ein ständig wiederkehrendes Thema, das aber gar nicht für einen Staatsmann paßt. So oft er diese Tribüne betritt, weiß ich: jetzt kommt ein Angriff auf die sozialistische I?iter?iatio7iale. Der Präsident der sozialistischen Internationale hat uns ein Begrüßungsschreiben geschickt. Und das sind keine leeren Worte; denn er war in Erez Israel, hat ein Buch darüber geschrieben und Reisen für den Keren Hajessod gemacht. Der Sozialist Lord Snell, der Vertreter der Minorität in der Shaw-Kommission, und Sir Norman Angel, sie haben uns begrüß«. Aber das paßt den Herren nicht in ihre Rechnung. (Zjvischenruf MEIR GROSSMANN: Und Paßfield?) Das ist doch das Unerhörte, daß Ihr Euch nur auf das stürzt, was Euch in den Kram paßt! VORS. VIZEPRÄS. DR. MOSSINSON: Herr Großmann, Sie haben diese Tribüne benützt und Dinge gesagt, ohne Rücksicht darauf, ob sie dem anderen angenehm waren oder nicht. Nun müssen Sie auch diese anderen anhören, auch wenn es Ihnen unangenehm ist! Das fordert die Würde des Kongresses! BERL LOCKER (fortfalnetid): Hier sitzen verschiedene Richtungen, und es ist kein Geheimnis, daß es in diesem Kongreß eine Richtung gibt — es ist die stärkste des Kongresses — die sich mit der sozialistischen Internationale solidarisch fühlt (Lebhafter Beifall links). Es ist kein Geheimnis, daß hier Vertreter fast einer halben Million Wähler sitzen, die ganz andere Anschauungen über internationale Beziehungen,