Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 420 (sequence 423)
- Language
- German, English, Hebrew
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420 14. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte Würde. Der Angriff auf den Scbekel ist ein Angriff auf den großen, volkstümlichen Charakter der zionistischen Bewegung. Die zionistische Bewegung erfaßt heute große Volksmassen, Hunderttausende, ja Millionen. Seit der Zionismus besteht, ist dieses Mittel des zionistischen Bekenntnisses populär geworden, und es liegt ein Bekenntnis darin, daß eine Volkssteuer gezahlt wird, um die Mitgliedschaft der Zionistischen Organisation und das Wahlrecht zum Kongreß zu erwerben. Man kann Reformen vorschlagen. Wir sind bereit, sie zu hören, und werden der Organisationskommission selbst eine Reihe von Vorschlägen unterbreiten, aber die Grundinstitution, welche die Zionistische Organisation zur Volksorganisation gemacht hat, sollte von Männern, die sich für zionistische Patrioten halten, nicht angegriffen werden. Es scheint kein Zufall, daß dieser Angriff in einer ganz bestimmten Zeit gekommen ist. Er ist das Resultat einer bestimmten Atmosphäre in der Weltt deren Opfer gewisse zionistische Gruppen wurden, ob sie es nun wissen oder nicht. Aber diese Angriffe kommen auch von einer anderen Seite, die sich nicht im Saal befindet und über deren Nichtvorhandensein in diesem Saal wir noch sprechen werden. Diese Angriffe si;nd freilich von einer ganz anderen Art. Während gewisse allgemein-zionistische Gruppen sagen, der Schekel sei zu billig, wird uns von dort wieder vorgeworfen, der Schekel wäre zu teuer, und zwar um seinen vollen Preis. Ein witziger Journalist hat aus einer Rede Jabotinskys in Lemberg — ich überlasse die Verantwortung dafür dem Journalisten selbst — zitiert, daß man in der sogenannten „Neuen Zionistischen Organisation" nur einen nominellen Beitrag — und zwar nach den Wahlen — zahlen werde; es genüge auch ein Knopf. Der ganze Angriff gegen den Scbekel wird im Namen llerzls geführt. Wie kann man nur so vollständig auf jede Originalität verzichten, daß man sich ständige auf Herzl beruft und sich nicht fürchtet, irgendeinmal könnte jemand in Herzte Schriften nachlesen! Ein solcher Mut ist bewunderungswürdig. Man verläßt sich einfach auf die Unwissenheit derer, zu denen man spricht. In tausend Dingen und auch in dieser Sache hat Herr Jabotinsky sich nicht mit dem Zitat aus der Haggadah „Kol dichfin Schekel" begnügt, sondern er nennt diesen „Schekel" auch noch „Herzi-Schekel". Zum Glück gibt es aber Dokumente, es gibt Reden, Tagebücher und Zeitungen, und wenn Sie wollen, gibt es das alles hier auf dem Kongreß. Mit keinem Wort hat Herzl jemals gesagt, daß der Schekel so sein darf, daß, wenn jemand bloß sagt: „ich bin ein Schekelzahler", er auch schon tatsächlich ein Schekelzahler ist. Und immer wurde in Herzls Tagen der Schekel als eine wichtige Einnahmequelle für die damalige zionistische Arbeit betrachtet, die etwas weniger umfassend war als die heutige, und &ls Beweis dafür, daß manA wenn auch mit kleinen Beträgen, einen Beitrag zur Arbeit leisten muß. Diese Deklaration, diese Annahme cfcs zionistischen Programms, verbunden mit der Entrichtung einer Volkssteuer, ist seit der Gründung der Zionistischen Organisation eingeführt. Es ist ein Mißbrauch von Herzls Namen^ wenn man im Gegensatz dazu von einem „Herzl-Schekel'6 spricht.