Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 403 (sequence 406)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3476254-3476292--9447-3485598- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Baratz 403 des Landes machen? Was heißt eigentlich: sozialistische Kwuzoth? Was ist der Inhalt unserer Erziehung? Man verbreitet hier ferner Schrecken, indem man behauptet, daß wir unseren Kindern eine sozialistische, separatistische Erziehung geben. Was heißt das? Wir haben doch bereits Kinder, die in unserer Mitte aufgewachsen sind und die schon selbst arbeiten — sind sie weniger mit dem Lande, mit der Arbeit, mit einem gerechten Leben in Erez Israel verbunden als die, wtelche ihr in jener besonderen, allgemeinen Schule erziehet? Ihr kennt anscheinend die Tatsachen nicht und habt wohl noch kein einziges Mal mit einem Kinde gesprochen, das in der Arbeit der Kwuzah in Erez Israel erzogen wurde? Ihr habt unsere Kinder gewiß noch nicht gesehen und ebensowenig wißt ihr, was in unseren Wirtschaften geschieht. Davon haben wir uns in der Sitzung des A.C. überzeugt, als Dr. Ruppin über die Bilanzen der Wirtschaft sprach. Seine Zuhörer erfuhren plötzlich etwas, was ihnen bisher fremd war. Die ganze Zeit über fütterten sie das Publikum mit ihren Nachrichten von Defiziten, plötzlich mußten sie erfahren, daß die Kwuzoth gut fundiert sind und Gewinn abwerfen. Das ganze Gerede stammt, abgesehen von seinen üblen Tendenzen, aus der Unkenntnis der Lage im Lande. Herr Großmann hat uns die große Gefahr geschildert, die Erez Israel im Kriegsfalle droht, nämlich der Mangel an Brot. JPißt ihr, wer Brot in Palästina erzeugt? (Lebhafter Beifall.) Erez Israel zerfällt in zwei Zonen: die eine, Judäa mit seinen Pflanzungen, die zweite, Hmek Jesreel, Emek Hajarden und Galiläa mit der gemischten Wirtschaft. In die erste Zone kamen erfahrene Oekonomen, kam die reiche Privatinitiative, und mit all ihrer Wissenschaft schufen sie eine Wirtschaft, die der leiseste Windhauch in der Welt erschüttern kann. Im Weltkrieg blieben die Pflanzer von Petach Tikwah mit ihren großen Pardessim sitzen, und Millionen Orangen faulten auf den Bäumen. Wir aber, die Bettler und Nichtstuer aus Galiläa und dem Emek, aus Jawneel, Daganiah und Kinereth, mußten ihnen Brot und Getreide bringen! (Lebimfter Beifall.) Und als der Chamsin über das Land kam, als 40 bis 50 Prozent der Blüten verwelkten, wurde die Orangenwirtschaft zutiefst erschüttert; aus Ratlosigkeit unterbrach man das Pflanzen. Wir dagegen, die Nichtstuer, schufen ohne Mittel, ohne landwirtschaftliche Kenntnisse, ohne Erfahrung, mit den „Schnorrgeldern4' des Keren Hajessod und Keren Kayemeth, eine Wirtschaft, die jeder Erschütterung trotzt. Worin bestand unsere Klugheit? Warum schufen wir die gemischte Wirtschaft? Nicht aus ökonomischer Ueberlegung oder aus Sucht nach Reichtum. Wir wußten, daß wir dabei nicht reich werden können, wir wußten, daß der Bauer zu Armut und Not verurteilt ist. Aber unsere Klugheit bestand in etwas anderem: wir wußten, daß wir in Erez Israel aus eigener Kraft existieren müssen, daß wir eine nationale Wirtschaft zu schaffen haben, die nicht auf Gnade von draußen angewiesen und nicht abhängig ist von äußeren Ereignissen. Darum schufen wir die gemischte Wirtschaft, und heute stellen die Oekonomen von Judäa unsere Wirtschaft als das für Erez Israel am 26*