Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 390 (sequence 393)
- Language
- German, English, Hebrew
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390 / j. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte Juden und durch die Transfer-Schwierigkeiten anders geworden. Bei osteuropäischen Einwanderern ist ein solches Kapital überhaupt eine Seltenheit. Es müssen daher in weitem Ausmaße die Mittel gefunden werden, um siedlungsfähigen und -willigen Familien durch ein großes Institut diesen Kredit zur Verfügung zu stellen. Bei diesem Kreditinstitut soll das nationale Kapital als Starter beginnen. Wenn es auf größere Verzinsung oder überhaupt auf Verzinsung verzichtet, ist auch das Privatkapital dazu heranzuziehen, eine große Kreditgesellschaft zu schaffen, etwa in der Linie, in der das Projekt der Chewrath Hitjaschwuth der Exekutive geplant ist. Es gibt weitere organisatorische Fragen. Von verschiedenen Rednern wurde die Notwendigkeit der Schaffung eines Wirtschaftsrates bei der Exekutive betont. In den Kreisen der landwirtschaftlichen, speziell der mittelständischen Siedler, wird diese Notwendigkeit besonders tief empfunden. Wir müssen der Exekutive den Vorwurf machen, daß in den wirtschaftlichen Fragen eine große Lücke klafft. Es ist Tatsache, daß der mittelständische Landwirt für seine täglichen Sorgen nicht das genügende Verständnis in der Exekutive findet. Die Arbeiterkolonisation ist in dieser Beziehung besser daran, weil sie ihre eigene Organisation geschaffen hat. Darum wird es notwendig sein, für die jüdische Landwirtschaft eine Art jüdischer Landwirtschaftskammer zu schaffen, welche in gemeinsamer Beratung mit den Vertretern der Versuchsstation, Mitgliedern der Exekutive und Vertretern der landwirtschaftlichen Kreise die notwendigen Richtlinien gibt. Gerade für die Mittelstandssiedlung auf Grundlage gemischter Wirtschaft ist folgendes zu sagen: Ich glaube nicht, (daß wir dauernd mit einer rentierenden gemischten Wirtschaft rechnen können, wenn es nicht gelingt, die heute noch gewaltige Spanne zwischen Farmpreis und Verkaufspreis zu verkleinern. Das ist eine wesentliche Aufgabe einer solchen Landwirtschaftskammer. Zum Schlüsse noch eine Bemerkung über die Ausbildung des Mittelstandes und seines Nachwuchses. Es kommt vor allem darauf an, daß die Menschen, die keine Zeit hatten, im Auslande Hachscharah zu betreiben, die Möglichkeit für landwirtschaftliche Hachscharah im Land? selbst bekommen. Ich glaube, es ist die Pflicht der Arbeiterkolonisation, die aus nationalen Mitteln geschaffen wurde, heute dieser neu einströmenden mittelständischen Kolonisation ihre Siedlungen für diese Lehrzwecke zur Verfügung zu stellen. Es gibt eine wichtige und grundlegende Frage, die für die Zukunft der Mittelstandskolonisation entscheidend ist. Ich bin weit davon entfernt, die Verdienste des Hechaluz und der Kibbuz-Bewegung herabzusetzen. Aber ich muß es aussprechen, daß, wenn die Ausschaltung jeder andern Jugendbewegung in diesem Tempo weitergeht, alle Söhne aus den mittelständischen Familien hinausgeführt werden werden. Den Familien wird so jede Hoffnung genommen, zu einer bäuerlichen Absiedlung zu kommen, die ohne Söhne nicht möglich ist. Es hat sich gezeigt, daß überall und stets die letzte Planke, an die sich die untergehenden Angehörigen des Mittelstandes anklammern, die Famiii? ist.