Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 389 (sequence 392)
- Language
- German, English, Hebrew
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Pinner 389 wirtschaftlich anzusiedeln, mit eigenen Mitteln, zum Teil zu diesem Gedanken durch die zionistische Vergangenheit erzogen, zum andern Teil durch Schicksalsschläge belehrt. Wie lückenhaft waren unsere ganzen Vorbereitungen dafür! Es wurde zwar Boden vom K.K.L. bereitgestellt, aber dieser Boden lag in Gegenden, die noch unvorbereitet waren, für diese spezielle Art von Kolonisation unbrauchbar. Der Häuserbau geschah unorganisiert und verschlang ein Drittel der Kapitalien; die Vorbereitung der Menschen stieß auf Schwierigkeiten; die Möglichkeit, den Menschen den Beruf beizubringen, ohne daß sie in dieser Zeit ihre geringen Kapitalien aufaßen, mißlang. Einiges wurde gelernt, besonders in der Zusammenarbeit der Hitachduth Olej Germania mit der Deutschen Abteilung der Jewish Agency. Es zeigte sich, daß Mittelstandskolonisation nicht improvisiert werden kann, wie es bisher geschah, daß sie nicht einzelnen Parteien, Gruppen oder Privatgesellschaften überlassen werden kann, daß die Zionistische Organisation sich endlich entschließen muß, diese Kolonisation organisch in ihr gesamtes Kolonisationswerk einzubauen. Es gibt eine Reihe von Voraussetzungen dafür, eine Reihe materieller, organisatorischer und ideologischer. Ich will sie so kurz wie möglich umreißen: Es hat sich gezeigt, daß man es nicht dem einzelnen Siedler überlassen kann, auf einen leeren, unvorbereiteten Boden zu gehen. Es muß ein Instrument der Vorbereitung vorhanden sein. Aus den Hilfsgeldcrn für deutsche Juden wurde der Grundstein gelegt für eine Gesellschaft, die RASSCO, an der sich auch Privatkapital deutscher Juden in ziemlich großem Maßstabe beteiligt hat. Eine solche gemischt-wirtschaftliche Gesellschaft, bei der die Führung in nationalen Händen ist, an der sich aber die Kreise, denen sie dienen soll, selbst beteiligen, eine solche große Gesellschaft muß die Flächen vorbereiten für die Mittelstandssiedlung, so daß, wenn ich es extrem ausdrücken darf, diesen Mittelständlern schlüsselfertige Siedlungen mit Häusern, Wegen, Brunnen usw. gegeben werden können. Dazu gehört auch eine Bewässerungsgesellscbaft. Sie ist der Schrittmacher der Kolonisation; der Mittelstand kann nur auf bewässertem Boden mit intensiver Wirtschaft angesiedelt werden. Im Kolonisationsbudget einer Mittelstandssicdlung im Emek Chefer, das uoo Pfund ausmacht, betragen die Bewässerungskosten 200 Pfund. Der K.K.L. hat Boden zur Verfügung gestellt, aber es ist notwendig, wenn man der Vorbereitung zur Ansiedlung breite Schichten im Galuth verbinden will, neue Formen zu finden, in denen die Juden in der Galuth im Laufe der Jahre durch Spenden an den K.K.L. für sich und ihre Familie ein Anrecht auf Siedlungsboden erwerben können, vorausgesetzt, daß ihre Qualifikation gegeben ist. Ich glaube auch, daß derartige Formen eine gewaltige Steigerung der Fondseinnahmen zur Folge haben könnten. Eine weitere materielle Voraussetzung ist die Frage des Kredites. Die Ansiedlungskosten eines Mittelstandssiedlers werden nicht unter 1000 bis 1200 Pfund liegen, wobei gewöhnlich der Boden nicht inbegriffen ist. Es gab unter den deutschen Einwanderern einige, die dieses Kapital besaßen. Heute aber ist es durch die rasche Verarmung der deutschen