Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 373 (sequence 376)
- Language
- German, English, Hebrew
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Goodman, Bernstein 373 Es sind gewiß mehr oder minder anhaltende Versuche gemacht wor den, unter den Sephardim für den Keren Kayemcth und den Kercn Hajessod zu werben. Aber was ich jetzt ganz energisch verlange, ist ihre zionistische Erziehung, für die bisher von der Zionistischen Organisation fast gar nichts geschehen ist. Ich mache daher den kon-» kreten Vorschlag, daß die zuständigen Instanzen der Organisation für diese zionistische Werbearbeit ein besonderes Ressort einrichten. Iis wäre besonders fcu wünschen, daß jetzt, wo der achthundertjährige Geburtstag von Rabbi Moses ben Maimon in der ganzen Welt mit solcher Pracht gefeiert wurde, wo die erste internationale Konferenz der Sephardim eine Bewegung ins Leben gerufen hat, um die zerstreuten Kräfte der Sephardim zu sammeln, die vielleicht von weittragender Bedeutung sein kann, daß wir auch von hier, von diesem hohen Kongresse aus, die weitverzweigte sephardische Diaspora in die jüdische Renaissance-Bewegung aktiv hineinzuziehen versuchen. FRITZ BERNSTEIN (Weltverb. Allg. Zion., HolUmd - spricht deutsch): Am Anfang dieser Generaldebatte ist ein neuer Begriff in die Betrachtungsweise der politischen Situation des Zionismus eingeführt worden. Man sprach bisher immerfort von Kooperation. Wir werden ermahnt, eine Kooperation durchzuführen, während doch die Schwierigkeit für uns darin besteht, daß der andere Teil, mit dem* wir kooperieren sollen, dazu gar nicht oder wenig bereit ist. Was wir politisch erreichen oder nicht, hängt selbstverständlich zu einem großen Teile nicht von uns ab. Es ist aber ein großer Unterschied, ob man sich bei den Forderungen, die man erhebt, auf einen richtigen Standpunkt stellt oder nicht. Und während schon die Losung der Kooperation eine sehr gefährliche war, weil sie gerade das verschleierte* worum es sich für uns handelte, wird uns jetzt anheimgestellt, diö Sache so zu betrachten, daß die politische Situation eigentlich nur in einem wechselnden Maß von Forderungen besteht, die nicht erfüllt werden. Das ist natürlich ungeheuer richtig, es ist aber auch gleichzeitig ungeheuer falsch, weil es sehr darauf ankommt, welche Forderungen nicht erfüllt werden. Es gibt Forderungen, die, wenn sie nicht erfüllt werden, nur eine Erschwerung bedeuten, es gibt aber andererseits Forderungen, deren Nichterfüllung unsere Arbeit durchaus in Gefahr bringen kann. Ich muß sagen, daß die verhältnismäßige Gleichgültigkeit, die ich liier gegenüber der politischen Situation angetroffen habe, mich sehr überrascht hat. Ich glaube, daß die politische Haltung unserer Exekutive sich erheblich gebessert hat, ich bin aber gleichzeitig der Meinung, daß sich unsere politische Situation selbst durchaus nicht gebessert hat. Wir haben statt mit einer aktiven Mandatspolitik mit einer Paritätspolitik angefangen. Die Paritätspolitik hat sich nun in eine umgekehrte Mandatspolitik verwandelt, bei der mit jüdischem Geld arabische Interessen zur Entwicklung gebracht werden. Vielleicht wäre das jetzt bei der großen Immigration nicht so verhängnisvoll: wenn nicht gerade diese große Immigration und die Ausbeutung unserer Arbeit in Palästina dazu führte, daß ein Faktor, von dem in