Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 371 (sequence 374)
- Language
- German, English, Hebrew
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Rotbenberg 371 Wir sind überzeugt, daß die gegenwärtigen WählteStimmungen für die Kongreßdelegierten nicht geeignet sind, den Interessen der Bewegung zu dienen; sie geben ein ganz falsches Bild von den Gedankengängen und Kräften innerhalb der Bewegung. Wir unterstützen mit ganzem Herzen die Ansicht, daß die Histadruth (ds einzige zentrale Arbeiterorganisation unterstützt und gestärkt werden muß, daß aber andererseits allen Teilen der palästinensischen Arbeiterschaft die Möglichkeit gegeben sein muß, in diese Organisation einzutreten und in ihr, ungeachtet der politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Einstellung, gleiche Rechte zu erhalten. Wenn es Mißbräuche oder Mißstände in der Histadruth gibt, so muß man sie beseitigen, aber die Wirksamkeit der Histadruth als einer Gewerkschaft darf nicht geschmälert werden. Wir in Amerika kennen die Mißstände rivalisierender Arbeiterorganisationen zu gut, um nicht zu sehen, daß die Begründung einer Reihe voneinander unabhängiger Gewerkschaften nur zur Ausbeutung der jüdischen Arbeiter und zur Schwächung der jüdischen Position führen kann. Noch über eine Frage möchte ich ein paar Minuten reden — über das wachsende Mißverhältnis zwischen den schaffenden Kräften, welche die Zionistische Organisation ausgelöst hat, und dem Einfluß der Zionistischen Organisation bei der Gestaltung des jüdischen Lebens in Palästina. Man darf erwarten, daß die normale Entwicklung der ökonomischen Gesetze der Expansion unserer Organisation, selbst wenn sie die Macht einer Regierung hätte, auf die ökonomische oder kulturelle Entwicklung in Palästina eine Grenze setzt. Dennoch könnten wir einen sehr beträchtlichen Einfluß haben, wenn wir sorgfältig die Methoden festlegen würden, durch welche die jüdisch-nationale Körperschaft das Leben des Jischuw regeln kann. Die Pläne werden d?n Kommissionen vorgelegt werden, deren Arbeit jetzt zu Ende geht, und ich betrachte es als höchst wichtig, daß dieser Kongreß diese Vorschläge sorgfältigst durchdenkt und behandelt. Wir müssen uns eingehend damit befassen, weil wir uns nicht mit einer jüdischen Kolonisation zufrieden geben können, deren Stärke ausschließlich auf einer großen Zahl von Siedlern beruht. Die zionistischen Grundziele werden unerreicht bleiben, wenn nicht das Leben Palästinas jene sozialen und ethischen Ideale unseres Volkes wiederspiegelt, welche seinem Leiden und Leben in einer feindlichen Welt allezeit Bedeutung gegeben haben. Wenn wir nicht bereits an diesem frühen Punkte der Palästina- Entwicklung verstehen, wie zionistische Ideale im Leben des Heimatlandes erfüllt werden müssen, gefährden wir die Prinzipien, die jeden denkenden und verständigen Zionisten bewegen. Die Zionistische Organisation hat volles Recht, tiefe Befriedigung über das zu empfinden, was bis jetzt geleistet wurde. Aber die letzten Jahre haben eine durchaus neue Epoche des Verständnisses für die Ziele des Palästina-Aufbaues eingeleitet, und bei weitem der größte Teil der Aufgabe der Zionistischen Organisation liegt noch in der Zukunft. Sie muß nur die Klugheit und den Mut haben, ihre eigene 24«