Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 350 (sequence 353)
- Language
- German, English, Hebrew
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350 72. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte stände. Wir haben vor allem die positive Aufgabe, den nationalem Sektor in der Wirtschaft im ]Lande so zu stärken, daß er automatisch eine wirkerde und regulierende Kraft im Wirtschaftsleben wird. Das bedeutet eine Erneuerung der naiiomden Kolonisation, eine Erweiterung ihrer Grundlagen, eine Stärkung der nationalen Eonds. Wenn wir von Erweiterung der nationalen Kolonisation sprechen, zielen wir nicht nur auf bestimmte Formen dieser Kolonisation, wie sie heute bei der Arbeiterkolonisation bestehen, ab, sondern wir denken auch an eine systematische Tätigkeit zur Unterstützung der Ansiedlimg des Mittelstandes auf natio/iialen Grundlagen und unter der Bedingung, daß der nationale Charakter dieser Kolonisation gesichert bleibt, daß der Grundsatz der jüdischen Arbeit in diesen Wirtschaften zum herrschenden erhoben wird. Von diesem Standpunkte aus verlangen wir auch eine systematische Tätigkeit zwecks Schaffung der Bedingungen, die notwendig sind, damit die jüdische Arbeit in der jüdischen Wirtschaft zur Herrschaft gelangt. Hierüber hat bereits Herr Zuchowietzki gesprochen, und ich brauche das nicht zu wiederholen. Wir fordern wirkliche Unterstützung für den tmtionalen Landtvirt, der diesen Grundsatz der jüdischen Arbeit erfüllt, durch Kredite zu günstigen Bedingungen seitens besonderer Institutionen oder durch entsprechende Maßnahmen der bestehenden Institutionen. Wir fordern eine systematische Tätigkeit zur Erhöhung des Lebensstandards des landwirtschaftlichen Arbeiters, die es ihm ermöglichen, sich im Dorf zu verwurzeln. Das bedeutet vor allem Schaffung einer nationalen Bodenreserve in Stadt und Land für die Bedurfnisse der Kolonisation, für die Bedürfnisse des Arbeiters, der Industrie und der Wohnungsbeschaffung. Ueber diesen Teil der nationalen Kontrolle gibt es, glaube ich, unter uns keine Meinungsverschiedenheiten. Besonders werden die Linken damit einverstanden sein, daß eine nationale Kontrolle über das Kapital erforderlich ist. Aber es gibt keinen Raum für nationale Kontrolle über das Kapital ohne nationale Kontrolle über die Arbeit. Wir fordern die nationale Regelung der Arbeiisbeziehungen. Diese Frage hat uns bereits, wie die Frage der jüdischen Arbeit, große Mißstände und Erschütterungen, sowie beträchtlichen wirtschaftlichen und moralischem Schaden gebracht. Zur Aenderung dieses Zustandes fordern wir, daß der Grundsatz der nationalen Autorität in den Arbeitsbeziehungen zur Herrschaft gelangt. Wir finden in diesen Fragen in der Haltung der Linken einen tiefen Widerspruch. Vor mir liegen zwei Wahlprogramme für den XIX. Kongreß: das Programm des Haschomer Hazair spricht über eine progressive Koalition, konstatiert das Anwachsen der progressiven Krätte im Zionismus und ist zu einer Koalition mit den progressiven Elementen im bürgerlichen Zionismus bereit. Andererseits aber ruft es zum Klassenkampf der Arbeiter auf und sagt, der; Grundsatz der Selbständigkeit der Klasse gelte auch gegenüber dem progressiven Teil des bürgerlichen Zionismus, dessen palästinensischer Teil in seiner Mehrzahl ebenfalls der Mode der nationalen Autorität in den Beziehungen der Klassen nachlaufe. Die Arbeiterklasse sei verpflichtet, die Grenzen zwischen der gemeinsamen Arbeit von Klassen