Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 347 (sequence 350)
- Language
- German, English, Hebrew
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Kaplansky 347 Wahrung aller internationalen Garantien, die im Mandat enthalten sind. Ein dritter Punkt ist die deutsche Frottt. Meine Redezeit ist zu beschränkt, als daß ich liier über diese Frage ausführlich sprechen/ könnte. Ich will mich nur mit einem Aspekt der Frage beschäftigen. Wir sind mit dem deutschen Judentum in seinem großen Unglück tief verbunden. Wir fühlen die menschliche Degradierung eines so wichtigen und wertvollen Teiles des jüdischen Volkes mit. Unser Stofe verbietet es uns, mit den nationalsozialistischen Theorien über den Wert des jüdischen Volkes über die menschliche Kultur zu polemisieren. Jeder von uns ist glücklich, daß es möglich war, die Vertreibuni; der deutschen Juden in eine Alijah nach Erez Israel zu verwandeln. Wir wissen sehr wohl, daß diese Alijah organisiert werden und daß man den Juden aus Deutschland die Möglichkeit geben muß, nicht nur das nackte Leben, sondern auch einen Teil ihres Vermögens zu retten. Aber ich kann nicht verhehlen, daß ich nicht von ganzem'Herzen davon überzeugt bin, das Znmsjer-System. das von den deutschea Zionisten organisiert worden ist, sei der richtige Weg für uns. Ich. will vor allem darauf hinweisen, daß Deutschland an zweiter Stelle der nach Palästina importierenden Staaten, gleich nach England, steht und daß im Jahre 1934 deutsche Waren für 1,700.000 Pfund nach Palästina gekommen sind, während der Transfer davon nur für 600.000 bis 700.000 Pfund Waren importierte. Aehnlich ist es im ersten Halbjahr 1935, wo monatlich Waren für 200.000 bis 290.000 Pfund importiert wurden, davon kommen 30 Prozent, höchstens 40 Prozent auf Rechnung des Transfers. Wir haben beim Prager Kongreß festgestellt, daß es nicht die Aufgabe der zionistischen Bewegung sei, die Boykottbewegung gegen Deutschland zu organisieren. Es kann sich jeder an ihr auf dem Wege der verschiedenen Boykottorganisationen oder durch die internationale Gewerkschafts-Föderation beteiligen. Aber andererseits ist es klar, daß es nicht die Aufgabe der zionistischen Bewegung oder des Jischuw sein kann, die ökonomische Kampffront gegen Deutschland zu brechen. Durch den Transfer wird ein großer Import von Deutschland nach Erez Israel ermutigt. Das ist nicht nur eine Schädigung der jüdischen Industrie in Erez Israel, die durch das deutsche Dumping bedroht wird, sondern auch eine politische Schädigung unserer Sache. Denn es wird einen schlechten Eindruck auf wichtige politische Faktoren ausüben, wenn der Import aus Deutschland nach Palästina dem aus Großbritannien gleich sein oder ihn sogar übersteigen wird. Wenn es eine moralische Rechtfertigung für den Transfer gibt, so nur gegenüber solchen Juden, die wirklich nach Erez Israel kommen. Ich sehe aber keine moralische Verpflichtung, Kapitalien solcher Juden nach Erez Israel zu bringen, die in Deutschland bleiben. Und mit großem Schmerz muß ich es verzeichnen, daß große zionistische und selbst Arbeiterinstitutionen sich des Transfers bedienen (Beifall). Man sagte bereits, es sei die Aufgabe dieses Kongresses, sich mit der ökonomischen Anarchie zu befassen, die mit der Massen alijah in unser Wirtschaftsleben und in unser kolonisatorisches System hineingetragen