Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 346 (sequence 349)
- Language
- German, English, Hebrew
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346 12. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte größtem Schaden ist, wenn man das Dilemma aufstellt, wie es Herr Stricker getan hak: Seid Ihr für ein n Judenstaat oder für einen binationalen Staat? Der binationale SUat ist kein Ziel der zionistischen Bewegung, ein binationales Palästina st eine Tatsache. Sogar wenn wir noch in unserefi Tagen — lind das hoffen wir alle — Millionen Juden ins Land bringen, dürfen wir doch nicht vergessen, daß es schon heute eine Million Araber in Palästina gibt, und daß es im Laufe der Zeit noch mehr geben wird. Das heißt, daß in Erez Israel immer zwei Völker leben werden. Wir sitzen hier in der freien Schweiz, in einem Lande, in dem die deutschsprachigen Schweizer die Mehrheit der Bevölkerung bilden. Und doch ist dies nicht nur ein binationaler, sondern ein trinationalfcr Staat, und trotzfclem ist er ein Muster der Kooperation und Verbindung von Bürgern verschiedenen Stammes und verschiedener Sprachen. Die Gegenüberstellung von Judenstaat und binationalem Staat erweckt die Vorstellung, als ob ein Judenstaat bedeute, daß es keine zwei Völker in Erez Israel geben könne, — eine absolut falsche und schädliche Konzeption, die die politische Arbeit der Exekutive für die Herstellung von normalen und freundlichen Verhältnissen zwischen uns und den Arabern ernstlich zu behindern vermag (Beifall). Herr Stricker erklärte ferner, er sei gegen die Anschauung, daß Arbeit die Garantie für den nationalen Charakter eines Staates ist. Der Staat sei die Garantie. Er hat sich unberechtigterweise auf Herzl berufen. Herr Stricker sagte, wir müßten Her reit im eigenen Hause sein. Wer ist aber der Herr über ein Land? Nicht derjenige, der in seinen Händen die Symbole der politischen Souveränität trägt, sondern die Massen, die den Boden bearbeiten, in den Fabriken und Werkstätten arbeiten; sie sind die Herren im eigenen Hause. Zu diesem Fragenkomplex noch eine Bemerkung: Wir stehen alle auf dem Standpunkt Ben-Gurions, daß wir keiner konstitutionellen Ordnung in Palästina zustimmen werden, die uns zu einem Minderheitsvolk degradiert unc) das heutige Zahlenverhältnis der jüdischen und arabischen Bevölkerung in Erez Israel als Basis für die Regelung der repräsentativen Institutionen im Lande nimmt. Wir sind sicher alle darin einig, daß die Verfassungsprojekte, die schon seit einigen Jahren! diskutiert werden und cjarauf fußen, daß die englische Beamtenschaft, als Vertreterin der Mandatarmacht, stets das Zünglein an der Waage zwischen der arabischen Mehrheit und der jüdischen Minderheit bilden soll — Wir sind alle d^rin einig, daß ein solches Regime für uns unakzeptabel ist, viele Gefahren in sich birgt und einen ehrlichen Ausgleich zwischen dem jüdischen und arabischen Volke nicht sichern wird. Es genügt aber nichtv dies bloß zu sagen. Mit einem entschiedenen Nein in der Frage des Legislative Council, so wie er jetzt von der; Regierung geplant wird, ist die Frage unserer Beziehungen zu den Arabern noch nicht beantwortet. Die Situation in Erez Israel und die internationale Lage verlangen von uns, daß wir in direkte Verbandlungen mit den Arabern von Erez Israel und mit der arabischen nationalen Bewegung treten. Wir wollen initiativ einen ehrlichen Ausgleich zwischen uns und den Arabern suchen, selbstverständlich unter