Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 345 (sequence 348)
- Language
- German, English, Hebrew
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Kaplansky 345 scheidende Form des nationalen Daseins zu sein, daß ein großer Teil des Jischuw — wahrscheinlich seine Majorität — die religiösen Formen des Lebens nicht akzeptiert. (Zwischenruf: Eine solche Redeweise paßt für Herrn Chasan, aber nicht für Sie!) Gestatten Sie mir, selbst darüber zu entscheiden, was sich für mich ziemt. Zweitens verstehe ich wirklich nicht, von welchen Sanktionen eigentlich hier gesprochen wird. (Zwischenruf: Kaschruth!) Wenn Kaschruth eine Sanktion ist, dann bin ich dagegen (Heiterkeit), Gleich anderen Rednern bin ich über den Stand der Verhandlungen zwischen den Parteien nicht genügend informiert. Wenn man aber von Sanktionen redet, so möchte ich daran erinnern, daß es in den Verträgen zwischen dem K.K.L. und den Siedlern einen allgemeinen Punkt gibt, der Bestimmungen darüber enthält, was zu geschehen hat, wenn der Vertrag von? einer der beiden Parteien nicht eingehalten wird. Mit dieser Bestimmung sollte sich der Misrachi begnügen, und es ist durchaus verfehlt, Forderungen zu stellen, die für die Arbeiterschaft unannehmbar sind. Jedenfalls glaube ich, daß der unrichtigste Weg gewählt wurde, um diese Sache zu bereinigen. Diese Fragen können nicht durch politischen Druck gelöst wterden. Ich halte nichts von Rabbinern, die Politik führen, ebenso wie ich nichts von Politikern halte, die Theologie treiben (Beifall, Zwischenrufe beim Misrachi). Halten Sie sich doch vor Augen, daß die Arbeiterschaft nicht immer von den guten Absichten derjenigen, die solche Forderungen stellen, überzeugt sein kann. So verstehen wir zum Beispiel nicht, warum der Misrachi gerade bei der Arbeiterschaft in bezug auf die Einhaltung des Sabbnthg so empfindlich ist. Warum sind die Herren vom Misrachi und andere religiöse Juden nicht ebenso erregt, wenn zum Beispiel in Petach Tikwah Kolonisten ihre arabischen Arbeiter am Sabbath arbeiten lassen? (Beifall links.) Dieser Zustand besteht schon sehr lange, aber ich habe noch nie davon gehört, daß er öffentlich bekämpft worden wäre oder daß man Sanktionen gegen die jüdischen Arbeitgeber verlangt hätte, die den Sabbath öffentlich entweihen (Unruhe). Nun möchte ich eine weitere Frage berühren, die in unserer Diskussion einen größeren Raum einnehmen sollte. Bs scheint mir, daß wir uns in der Diskussion zu wenig mit der Frage der Beziehungen zu unseren arabischen Nachbarn befaßt haben. Nur Herr Ing. Stricker hat dies getan. Dazu muß man freilich sagen, daß er gezeigt hat., wie man diese delikate und verantwortungsvolle Frage nicht behandeln darf. Er wollte uns mit seiner Formulierung an die Wand drücken, daß nur der ein richtiger Zionist sei, der seine, Strickers, Definition vom Judenstaat akzeptiert. Wir wissen sehr wohl, was der Inhalt des Herzischen Rufes war, der uns alle vereinigt hat. Wir wissen ganz gut, daß die fundamentale Anomalie des jüdischen Lebens unsere Landlosigkeit und die Tatsache ist, daß wir ein Minderheitsvolk sind. Wir wissen, daß der Sinn des Zionismus der ist, daß wir aus der Lage eines Minderheitsvolkes herauskommen müssen. Ich glaube aber, daß es für die Regulierung unserer Beziehungen zu der arabischen nationalen Bewegung und zum arabischen Volk in Palästina von