Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 336 (sequence 339)
- Language
- German, English, Hebrew
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336 //. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte richten von vielen Fällen, in denen jüdische Mädchen geraubt und vor den Augen aller geschändet wurden. Die kleine jüdische Gemeinschaft, die in Kurdistan lebt, ist fest mit dem Boden verbunden. Es sind energische Landwirte, die unserem Lande Segen bringen könnten, wenn man ihnen die Möglichkeit gäbe, nach Palästina zurückzukehren. Im neuen Persien ist keinerlei Besserung zugunsten der Juden eingetreten. Berührung mit einem Juden gilt immer noch als Verunreinigung. Der Zionismus ist verboten, die Marranen von Meschhed müssen ihr Judentum immer noch verbergen und ihren Gottesdienst im Geheimen abhalten. Bricht eine Unruhe im Lande aus, dann sind die ersten Opfer die Juden. In Afghanistan werden die Juden schrecklich verfolgt. Dieses jähr hat die Regierung weitere Gesetzesbeschränkungen gegen die Juden eingeführt, die sie zu Bürgern zweiter Klasse und vogelfrei machen. Wie im Mittelalter müssen sie einen gelben Fleck am Gewände tragen, dürfen nur in drei Städten wohnen und sind aller Menschenrechte beraubt. Lesen Sie doch das Memorandum, das die afghanischen Juden an den Kongreß gesandt haben; dann werden Sie sehen, wie furchtbar und beschämend ihre Lage ist. Afghanistan ist ein Durchgangsland für jüdische Flüchtlinge aus Buchara und Chiwa, Juden, die dem Judentume und Palästina treu ergeben sind und in den letzten Jahren Unvorstellbares erlitten haben. In Buchara werden die Juden als Antirevolutionäre verfolgt, in Afghanistan als Bolschewisten, und so sind ihre Leiden doppelt und dreifach. Der Delegierte aus Buchara wird Ihnen über die Lage der bucharischen Juden mehr erzählen können, sowie die jemenitischen Delegierten Ihnen über die Qual dieses Teile* unseres Volkes unter der Herrschaft des Imam berichten werden. Wenn aber endlich ein Jude das Glück hat, sich aus den Höllenqualen dieser Länder zu retten, wenn er unstet von Ort zu Ort, von Land zu Land geirrt ist, und wenn er dann endlich das Glück hat, über die Grenzen Palästinas zu gelangen, wird er von der Polizei verhaftet, ins Gefängnis geworfen und zur Ausweisung aus dem Lande seiner Hoffnung verurteilt. Dies ist nur ein sehr kleiner Teil von dem, was über die Lage der sefardischen und orientalischen Juden zu berichten wäre. Wollte ich Ihnen alles erzählen, dann würde die Zeit nicht ausreichen. Ich will mich daher mit dem begnügen, was ich Ihnen bereits erzählt habe, in der Hoffnung, daß der Zionistenkongreß sich mit dieser Situation eingehend befaßt und eine Möglichkeit findet, diese Juden zu retten, die mit jeder Faser ihres Herzens mit Palästina verbunden sind. Die sefardische und orientalische Judenheit stellt an den Kongreß folgende Forderungen; i. ihr eine starke Einwanderung nach Palästina zu ermöglichen, ihr Zertifikate in einer Zahl zu gewähren, die ihrer Notlage entspricht, so daß Arbeiter und Verwandte nach Palästina einwandern» können. Das Verhältnis der Einwanderung orientalischer und sefardischer Juden zur Gesamteinwanderung soll 15 Prozent sein;