Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 338)
- Language
- German, English, Hebrew
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Avissar 335 strebungen auf der Vernichtung der anderen Völker, die in ihrer Mitte leben, durch Unterdrückung der Angehörigen fremder Bekenntnisse, die Jahrtausende unter ihnen leben, verwirklichen. Blicken Sie auf das, was die sefardischen und orientalischen Juden in den letzten beiden Jahren erlebt haben. Sie kennen die furchtbaren Verfolgungen, die vor zwei Jahren in Algier ausbrachen, das doch unter der Herrschaft des zivilisierten Frankreich steht. Ungezählte Mordtaten und Verwundungen, an Juden begangen, harren noch heute der Sühne. Die Verdächtigungen und Anklagen gegen die Juden nehmen kein Ende, trotz der Bemühungen einiger gebildeter Araber, die sich der Gewalttaten ihrer Volksgenossen schämen. Den Juden Nordafrikas geht es ebenso schlecht wie den Juden in den meisten Ländern der Welt. Die Verfolgungen greifen von einem Lande ins andere über; nach den Verfolgungen in Algier trafen grausame Verfolgungen das Herz der türkischen Juden. Die wiedererwachte Türkei, über deren Wiederaufrichtung wir uns gefreut hatten, besitzt offenbar ein besonderes System offener und versteckter Verfiolgungen gegen die Juden, die diesem Lande von jeher treu verbunden sind. Aus Thrazien hat man die Juden fast völlig vertrieben. Hunderte von Familien sind völlig vernichtet, verloren plötzlich das Dach über dem Haupte, irren von einem Orte zum anderen umher, ohne eine neue Heimat zu finden. Die Juden der Türkei, die all ihre Fähigkeiten der Wiederaufrichtung ihres Staates gewidmet haben, werden heute aus allen wirtschaftlichen und politischen Positionen verdrängt. Die Türken strecken ihre Hand aber auch gegen das geistige Leben aus: die jüdischen Schulen wurden fast überall geschlossen, die Gemeindevorsteher in den meisten Städten abgesetzt; es gibt kein Rabbinat, keine religiösen Gerichtshöfe, und die Gefahr der Assimilation bedroht die Nachkommen Gabirols und jehuda Halevis. Im Irak, der zweiten Heimat des jüdischen Volkes, leben die Juden heute wie Gefangene. Alle ihre Taten werden bespitzelt, auch hier werden sie aus allen Positionen verdrängt, die sie sich durch ihre Klugheit und Begabung erobert haben. Man verfolgt sie, weil sie zum Zionismus tendieren, erlaubt ihnen jedoch nicht, auszuwandern. Selbst die Erlernung der hebräischen Sprache ist im Irak verboten. Zwei jüdische Lehrer wurden gefesselt aus dem Irak ausgewiesen, weil sie jüdische Kinder in der Kultur des Judentums unterrichtet hatten. In Kurdistan sind die Juden vogelfrei; Verdächtigungen und tätliche Angriffe sind in diesem ganzen Staate, besonders aber in den Grenzbezirken, Juden gegenüber an der Tagesordnung. Bei jedem kleinsten Vorkommnis wird der Dolch gezückt. Es gibt in diesem Lande kaum Recht und Gerechtigkeit. Wenn ein Konflikt zwischen einem Juden und einem Mohammedaner ausbricht, wagt es der Jude nicht, seinen Gegner vor Gericht zu fordern. Tut er es doch, wenn er mutig genug ist, so findet er kein Gehör, und in vielen Fällen muß der Jude obendrein sich noch bei seinem mohammedanischen Gegner entschuldigen. Juden, die sich aus diesem Lande gerettet haben, be-