Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 332)
- Language
- German, English, Hebrew
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Blumen feld 329 Palästina, das in der Stunde der Gefahr freudig zusammenhält, das niemals an eine Rückkehr und einen Rückzug denkt, das sich in einer Zeit wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Solidaritätsgefühl behält (Lebhafter Beifall). Unsere Versuche, die verlorene Einheit des Volkes wieder herzustellen, werden mit der Bemühung verbunden sein müssen, die heutige jüdische Welt zu den Quellen ihres Lebens, zur Geschichte des eigenen Volkes zu führen. Man klagt über den Mangel an Stil und Form des palästinensischen Lebens. Es handelt sich nicht um Aeslhetik, sondern um die Frage der nationalen Kultur. Wir müssen jetzt einen ernsten Anfang machen und mit den Fragen der Lebensform, der Beziehung der Menschen und Gruppen zueinander die Frage der Vergangenheit verbinden. Der Misrachi könnte der Bewegung einen wertvollen Beitrag liefern, wenn er uns hilffc, den Schabbat dem gesamten jüdischen Leben wiederzugewinnen. Die Forderungen des Misrachi sind berechtigt und müssen erfüllt werden, aber keine Sanktionen! Es ist verkehrt}, dieses neue politische Wort in die jüdische Begriffswelt einzuführen. Der Jischuw wird den Weg ^zu seiner Geschichte, zur jüdischen Form des Lebens in seiner Art zu finden haben. Wir Zionisten dürfen nicht glauben, daß sich in der jüdischen Welt nichts ändert. Jedes Neue im Judentum beginnt mit der Aenderung der Beziehung zur Vergangenheit. Nationale Renaissance bedeutet nicht einfach noch einmal Ja sagen zu dem, was in großer Vergangenheit war, sondern produktives Verhalten gegenüber dem, was erneuert werden soll. Ein von der Ratio allein regiertes Leben wird uns die neue Volkseinheit nicht bringen. Die Nation kann nur geformt werden in dem unablässigen Versuch, durch den vertikalen Zusammenhang mit der ewigen Vergangenheit eine von reichem Eigenleben erfüllte Gegenwart zu gestalten, in der gemeinsamer geistiger Besitz alle Teile des Volkes zur Einheit verbindet. Wenn das Volk die Ereignisse und Wechsel fälle des Daseins als Schicksal empfindet, dem es sich nicht entziehen kann, dann wird es diese Fähigkeit tnur dann in vollem Maße besitzen, wenn die lebende Generation sich als den Vollstrecker des Willens alles Vergangenen empfindet. Von dem, was in diesen letzten Jahren geschehen ist, ist besonder* wichtig die Einwanderung der deutschen Juden. Wir müssen der Exekutive, der deutschen Abteilung, insbesondere Miß Szold, für alles, was da getan wurde, herzlich danken. In einer Zeit des schwersten Druckes haben auch die deutschen Zionisten — ich darf es sagen, da ich seit zwei Jahren aus ihrem Kreise ausgeschieden bin — etwas Besonderes getan. Sie haben vom ersten Augenblicke an ihre Arbeit in Deutschland und in Palästina verdoppelt, ja -verdreifacht. Ein Beweis dafür ist nicht nur die große Schekelzahl. Es wurde die selbstverständliche Form der Einheit aller Gruppen gefunden. Das bedeutet nicht etwa, daß es da keine Meinungsverschiedenheiten, keine realen Gegensätze gibt. Aber über allem steht die Gesamtverpflichtung, das Bedürfnis, die Einheit der jüdischen Nation zu bewähren. Mir scheint, daß sich in schweren Zeiten der Zionismus dadurch bewähren muß.