Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 328)
- Language
- German, English, Hebrew
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Blumeftfeld 325 die große Welt des jüdischen Lebens ist, und daß in ihm das Größte und Höchste verwirklicht werden kann (Beifall). Ich muß darauf verzichten, hier die Ideen und Inhalte der zionistischen Propaganda unserer Zeit zu entwickeln; nur ein Punkt sei hier hervorgehoben: In der Geschichte des Zionismus gibt es eine Reihe von Versuchen, die zionistischen Ideen in erster Linie durch Vorstellungen, die dem jüdischen Volke eigentümlich sind, mit Leben zu erfüllen. Achad Haam, Gordon, Bialik haben Versuche dieser Art unternommen. Sie haben sich bemüht, die zionistische Bewegung von der Herrschaft allgemeiner Weltströmungen zu befreien und ihr allmählich die Einzigartigkeit zu verleihen, durch welche die Bewegungen im jüdischen Volke immer ausgezeichnet waren. Sie versuchten, von den blassen, allgemeinen Vorstellungen der Umwelt zur farbigen Besonderheit der jüdischen Art zu gelangen und die Bedürfnisse des jüdischen Lebens und des Aufbaues daraus abzuleiten. Wir wissen aber, daß wir in diesen Bemühungen des Lebens und der Anstrengung vieler Generationen bedürfen und daß Kultur allmählich entsteht. Es gibt Entwicklungen, die durch ein überschnelles Zugreifen geschädigt werden. Aber auf einem Gebiete kann und muß sofort etwas geschehen, auf dem Gebiete der politischen Erziehung. Bs gibt Zionisten, die sagen: Ja, zuerst muß der Judenstaat verwirklicht werden, ehe wir durch Zwang auf die politische Gestaltung einwirken können, jetzt seid Ihr doch nur eine freiwillige Organisation. Ein merkwürdiges Ding! Wird erst in dem Augenblick, in dem der Judenstaat besteht, das Erforderliche auf dem Gebiete der politischen Erziehung geschehen können und bis dahin nichts? Wir müssen wissen, daß die zionistische Bewegung in jedem Augenblick ihrer Existenz erzogen werden muß, ein Staatsvolk zu bilden und Träger seiner politischen Gesamtheit zu werden. Nur so können wir eine zentrale Ordnung unserer Angelegenheiten herbeiführen. Die trennenden Gegensätze, die in unserem Leben entstanden sind, reduzieren sich auf folgende Tatsachen: Entweder Anarcho-Individualismus oder Stärkung der zentralen Instanzen. Die Anarchie des alten Lebens, nach Palästina verpflanzt, bedeutet JJ eher tragung der Gallith dorthin; Stärkung der zentralen Instanzen im zionistischen Leben bedeutet Volks werdung und Verwirklichung des Zionismus. Es ist interessant, daß diese Antithese schon in den Anfängen der Bewegung die schöpferischen Geister beschäftigte. Pinsker sagte in der „Autoemanzipation": „Die Sorge für die individuelle Selbsterhaltung muß jeden nationalen Gedanken, jede gemeinschaftliche Volksbewegung im Keime ersticken.1' Das war 1882, lange bevor von unseren Problemen die Rede war. Wer ein Land aufbauen, will, muß dafür sorgen, daß die Nation dazu kommt, ihr Leben in verbindlicher und verpflichtender Form zu regeln. Niemand soll glauben, daß dieses Ziel bei uns durch Parteimacht und Herrschaft der Partei über andere zu erreichen ist: das ist in einer freiwilligen Organisation in der Tat unmöglich. Man muß natürliche Autorität erreichen, muß moralische Kräfte schaffen, muß überzeugen und muß durch die legitimen Mittel der Bewegung schließ-