Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 324 (sequence 327)
- Language
- German, English, Hebrew
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324 //. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte kam, einen anderen Charakter hat als die Einwanderungen der früheren Epochen. Gewiß standen auch die früheren Alijoth im Zusammenhang mit schwierigen Situationen und Katastrophen in den Wohnländern, aber sowohl im Anfang der Achtzigerjahre wie auch 1905 und 1920 staend den Juden ein großer Teil der Welt offen. Ge wiß trieb sie die Judennot, a?ber sie hatten manche Möglichkeiten; sich ihr durch Wianderung zu entziehen, und der kleine Teil| der nach Erez Israel ging, ging aus freier Wahl und nach innerer Entscheidung. Heute ist die Welt den Juden verschKossen. Ganz kleine Gruppen finden noch in einigen Ländern einen Unterschlupf. Die großen Einwanderungsländer von ehemals haben die Tore verriegelt. Das bedeutet aber, daiß {die zionistische Aufgabe jetzt in ihrer ganzen^ Größe vor uns steht. Viele Zionisten pflegen heute zu sagen, daß der zionistischen Bewegung heute ihre Hauptaufgabe abgenommen sei. Jetzt müsse durch die von uns vorausgesagte Entwicklung der Judenfrage in der Welt das zionistische lirgebnis mit Sicherheit eintreten. Es handle sich um Zwangsläufigkeit, um einen sogenannten „stichischen Prozeß". Gewiß gibt es in diesen Jahren den großen Zwang der Judennot, der Hunderttausende ins Land treibt, der aber nie selektivistisch wirkt und eine Masse ins Land bringt, die zu einem* erheblichen Teil nie den Weg dorthin gesucht und gefunden hälfe. Man darf nie vergessen, daß die Menschen gewiß immer auf Ereignisse reagieren, daß es aber nicht darauf ankommt, ob, sondern wie sie reagieren. Die große Einwanderung, die nach Palästina kommt, ist für uns das Objekt unserer neuen zionistischen Arbeit, die wir in solchem Ausmaß noch nicht geleistet haben und noch nicht zu leisten verstehen. Ich behaupte, daß es heute keine Partei im Zionismus gibt, die diesen neuen Aufgaben gewachsen ist, und daß bis jetzt noch keine Form gefunden wurde, den Zionismus in der gleichen Sieghaftigkcit und zwingenden Wirkung zu vertreten, wie es uns früher unter anderen Bedingungen des Lebens möglich war. Auch unsere besten Zionisten arbeiten in der Propaganda mehr mit Erinnerungen als mit der Kraft eines in neuen Lebensbedingungen und einer neuen Weltsituation erprobten Zionismus. Ich muß wieder auf die Frage der Symbole und auf die Beziehungen der Juden zu ihrem Lebevi in den Galut hl ändern eingehen. Für zahlreiche Menschen, die gezwungen nach Palästina gekommen sind, besteht naturgemäß die Versuchung, auf den Augenblick zu warteit, in dem. in der Welt wieder bessere Bedingungen für die Juden eintreten. Woher sollen sie die zionistische Analyse von der Judenfrage kennen? Warum sollen sie, die doch immer ihr Heil in der Identifizierung mit der Umgebung gesucht haben, plötzlich zu den Erkenntnissen Pinskers und Herzls kommen? Und sie halten Ausschau nach einem großen, unbekannten Reich ohne Judenfrage und ohne natürlichen Unterschied, sie hoffen auf eine große Welt, die ihnen schrankenlos offen steht. Füfr uns kommt es jetzt darauf an, dem jüdischen Volke, das uns noch nicht kennt, zu zeigen, daß unser kleines Land