Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 320 (sequence 323)
- Language
- German, English, Hebrew
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320 //. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte sie werden jedoch in einer Weise wirtschaftlich verwertet, die die Aufnahme einer Anleihe in. der gewünschten Höhe momentan unmöglich macht. Ich würde deshalb vorschlagen, daß der Kongreß eine kleine Kommission einsetzt, die in Palästina praktisch das Problem zu studieren hätte, wie die vorhandenen Möglichkeiten ausgenützt werden könnten, um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu fördern. Das Vorhandensein eines großen Betrages, über den die Exekutive verfügen könnte, würde die Entwicklung des nationalen Aspektes unserer Arbeit sichern, die Anwendung neuer landwirtschaftlicher Methoden und die Beschleunigung des Tempos unserer Arbeit ermöglichen und ihre politischen Grundlagen stärken. Ich bitte Sie, diesem wichtigsten unserer Probleme, der Schaffung einer politischen und wirtschaftlichen Kraft auf dem Boden Palästinas, die imstande wäre, alle Angriffe abzuwehren und allen Schwierigkeiten zu trotzen, ein wenig Zeit zu widmen. Ich spreche als Mitglied der Weltvereinigung Allgemeiner Zio nisten, die es als ihre vornehmste Aufgabe betrachtet, den nationalen Aspekt unseres Werkes zu stärken, die das Ideal eines jüdischen Palä stina hat, an dem alle Teile des jüdischen Volkes teilnehmen, da-» Ideal eines auf sozialer Gerechtigkeit aufgebauten Palästina, das in nationaler Gerechtigkeit wurzelt (Lebhafter Beifall). KURT BLUMENFELD (Weltverein. Allg. Ziotu, A.C. — spricht deutsch): Wir haben jetzt eine lange Generaldebatte hinter uns, und man hat das Gefühl, daß die Generaldebatte unseres Kongresses einer Art von Kongressen entspricht, die wir vielleicht manchmal wünschen, jedenfalls heute aber nicht haben, nämlich einem Demonstrationskon greß, auf dem jeder nur darauf hinweist, was er getan hat. Jeder wertet hier die eigene Arbeit, aber fast ganz ohne Selbstkritik. Ich glaube, die Bemerkung eines Oppositionsredners war sehr richtig, wenn auch vielleicht etwas zu schaif formuliert, daß nämlich wenig davon zu merken ist, was den Zionismus vor allem auszeichnet: Selbstkritik. Wir wollen ein ungeheures Werk vollbringen und brauchen dazu größere Kräfte als die sind, über die wir verfügen, und die erste Aufgabe eines Zionistenkongresses muß darin bestehen, daß wir hier brüderlich miteinander verbunden uns fragen: Vor welchen Problemen stehen wir? Es gilt also, nicht nur den Gegner zu kritisieren, nicht nur die eigene Arbeit zu rechtfertigen, sondern zu entscheiden, was heute zu tun ist. Man spricht hier viel von der großen Koalition: sie ist, parlamentarisch gesehen, gewiß sehr erstrebenswert. Aber ich frage — was ist damit getan, wenn wir sie nur mechanisch herstellen und nicht wissen, welches unsere nächsten Schritte sein werden, welches die Richtung sein soll, die wir jetzt zu verfolgen haben? Die erste Frage, die ich behandeln möchte, ist die Frage: Was eint ein Volk, was macht uns zum Volke? Die erste Auseinandersetzung soll die mit den Freunden sein, mit den Menschen, mit denen man lange Jahre zusammen gelebt und zusammen gekämpft hat. Wir haben heute eine Generation von ausgezeichneten Zionismen, aber wie sieht