Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1937-01-01 · 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935 · p. Seite 317

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
Date
1937-01-01
Page
Seite 317 (sequence 320)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476292--9361-3485512
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Dobkhi objektive Lage zu benutzen, um die frühere Einwanderung von jährlich ein paar tausend Juden auf 50.000 bis 60.000 zu bringen, dann befinden Sie sich in einem Irrtum. Die englische Regierung hat ja nach den Worten des Herrn Stricker nur einen kleinen Spalt geöffnet, ja, sie hat sogar die Tore von Erez Israel geschlossen! Und da kommen Sie mit der billigen Phrase: Herr Adolf Hitler hat die Einwanderungs zertifikate verteilt.' Glauben Sie denn, daß sich Juden finden werden, die eine in einem solchen Geist geübte Kritik auch nur anhören? Halten Sie die Juden für so dumm, daß sie Ihre demagogische Kritik ernst nehmen? Das Gleiche gilt auch in bezug auf die innere Politik der Alijah. Man versuchte, uns aus der wichtigsten Leistung der zionistischen Bewegung und der jüdischen Jugend in der Galuth einen Vorwurf zu machen. Von den 30.000 Chaluzim, die sich in den Hauptstützpunkten des Zionismus befinden, sagte man, daß sie in Konzentrationslagern sitzen. Ja, Herr Großmann, wir sitzen in diesem Konzentrationslager schon seit 18 Jahren, seit vielen, vielen Jahren, in denen außer den Chaluzim niemand ein Zertifikat beantragt hat. Als Sie von Prag aus vor sechs Janren — damals waren Sie noch nicht aus der revisionistischen Partei ausgeschlossen — die Parole einer ,,Pause" in die jüdische Gasse warfen, als Sie forderten, man möge nicht nach Erez Israel gehen, nicht für den K.K.L. und den K.H. arbeiten, hielten Sie das für eine geniale Politik. (Zwischenruf MEIR GROSSMANN: Nicht richtig!) Doch ist das richtig. Damals — natürlich nicht heute predigten Sie das und erklärten: Wir wollen nicht nach Erez Israel gehen, wir wollen nicht Steuern für Erez Israel zahlen, so lange es keine politischen Sicherheiten gibt! Zu jener Zeit lebten Tausende von Chaluzim in diesen „Konzentrationslagern4". Damals gab es keine Zertifikate. Aber diese „Chaluzim" haben keine Pause verlangt, sondern forderten, daß man die Tore von Erez Israel trotz der dort herrschenden Krise öffne, und versuchten, auf allen möglichen Wegen und Stegen nach Erez Israel zu kommen. Vor meinen Augen steht ein Bild, das ich nie vergessen werde. Es zeigt uns, was Hachscharah und was Chaiuz bedeutet. Es war zu der Zeit, als in Ihrer Mitte die Pause- Stimmung herrschte, in den Tagen der Augustereignisse im Jahre 1929 in Erez Israel. Zehntausende von Juden in der Diaspora reagierten damals auf diese Ereignisse nur durch Versammlungen in Synagogen und mit Tränen. Es herrschte eine verzweifelte Stimmung. Aus Erez Israel kamen alarmierende Gerüchte. Tel Aviv sei niedergebrannt, Tausende von Juden seien ermordet worden. Am dritten Tage dieser Augustereignisse des Jahres 1929, als die jüdische Presse der Diaspora voll von diesen Gerüchten war, beschloß. die Leitung des polnischen Hechaluz, daß alle Chaluzim, die bereits ihre Pässe hatten, vom Palästina-Amt in Warschau fordern sollten, daß man ihnen sofort die Alijah nach Erez Israel ermögliche. Der Vorsitzende des Palästina-Amtes, Herr Levite, erklärte dazu: Ihr seid wahnsinnig, die arabischen Bootsleute werden Euch ja im Meere ertränken! Darauf nahmen sich diese Chaluzim ihre Pässe mit Gewalt, und alle 50 oder

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.