Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 315 (sequence 318)
- Language
- German, English, Hebrew
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Uri, Naiditsch, Dobkin 315 geringe Besteuerung kann die Basis für weitere große Anleihen bilden. Das kann uns auf einen neuen und aussichtsreichen Weg führen. Ein paar Worte über das Galuthproblem: Zum ersten Male haben wir auf diesem Kongreß eine Galuth-Kommission gewählt. Wir russischen Zionisten standen immer auf dem Standpunkt, daß die Galuth und Erez Israel verbunden werden müssen. Seit die russischen Zionisten aufhörten, eine führende Rolle in der Bewegung zu spielen, ist es anders geworden. Wenn wir uns nicht mit den Galuthfragen beschäftigen, werden wir an Gewicht unter den jüdischen Massen verlieren. Die Zionistische Organisation hat sich mit allen Galuthfragen zu befassen. Das wird uns nicht schaden; denn wir, die wir die große Mehrheit des jüdischen Volkes vertreten, haben das Recht, die Ehre des jüdischen Volkes zu verteidigen. Wenn aber manche glauben, das sei gefährlich und dürfe nicht geschehen, dann müßt Ihr zugeben, daß es nur einen Weg gibt, nämlich den, den jüdischen Weltkongreß zu schaffen, von dem so viel geredet wird, der aber noch immer nicht zustande kam. Mit allen unseren Kräften und unserer Energie haben wir dieses Organ zu schaffen, das die jüdische Ehre, das jüdische Recht und die jüdischen kulturellen Forderungen in allen Ländern der Galuth verteidigen soll. Ohne dieses Organ können wir auch Erez Israel nicht aufbauen; denn beide Fragen sind eng miteinander verknüpft und nicht voneinander zu trennen. Entweder wir haben den Mut zu sagen: Wir sind das jüdische Volk, oder wir haben den Weltkongreß zu schaffen. Aber verschwiegen darf das Problem nicht werden. Das würden uns die jüdischen Massen nicht verzeihen, die Not und Hunger leiden und keine Hilfe sehen (Lebhafter Beifall). ELIAHU DOBKIN (Arb., Erez Israel — spricht jüdisch): Die Redner der Opposition wollen den Kongreß dazu bringen, ihnen zu glauben, daß ihre Kritik wirklich eine verantwortliche Kritik an der Tätigkeit der Exekutive sei. Wer aber kann ihnen glauben, daß diese Kritik wirklich ehrlich gemeint und von der Absicht getragen ist, Fehler zu verbessern und nicht parteipolitisches Kapital daraus zu schlagen? Diesen Eindruck muß man freilich leider bekommen, wenn hier beweglich darüber Klage geführt wird, warum denn die Zionistische Exekutive 1800 Familien angesiedelt hat, und wenn man die alten Klagen über mangelnde Sorge für den Mittelstand vorbringt, aber verschweigt, daß schon seit vier Jahren Boden für den Mittelstand bereit stand und daß noch im letzten Jahre die Exekutive 15.000 Pfund für Ansiedlung des Mittelstandes bewilligt hat, daß das Geld aber nicht voll benützt wurde — nicht durch Schuld der Exekutive, sondern durch die Schuld der Leute, die im Namen des Mittelstandes reden und nichts Praktisches für ihn tun. Wenn man sich überdies vor Augen hält, daß gerade von der gegenwärtigen Exekutive der ernste Versuch gemacht wurde, einen Delegierten nach Galizien, Polen und der Tschechoslowakei zu entsenden, um die ersten konkreten Schritte zur Organisierung des Mittelstandes für die Kolonisation in Erez Israel vorzubereiten — wie kann man da die Klagen der Opposition ernst nehmen?