Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 311)
- Language
- German, English, Hebrew
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308 /o. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte kann nicht einzig und allein unserer Propaganda zugeschrieben werden, sondern geht auch auf politische und ökonomische Kräfte zurück, über die wir gar keine Kontrolle haben. Das ist nicht unser Verdienst, aber unser Verdienst besteht darin, daß wir eine solche Lage vorausgesehen und dafür die nötigen Vorbereitungen getroffen haben. Aber 390.00c Juden bilden noch keine Heimstätte, und diese wird auch nicht eher da sein, als bis die Juden eine Mehrheit in Palästina werden und auch einen wesentlichen Teil der Juden in der ganzen Welt vertreten. Wir können nicht immer auf einen solchen Druck rechnen, wie er für die Einwanderung in den letzten zwei Jahren maßgebend war. Wir hoffen vielmehr, daß das Regime der Barbarei, das in Deutsch land herrscht, zerschlagen werden wird. Andererseits aber hoffen wir auch, daß das Tempo der jüdischen Entwicklung in Palästina be schleunigt wird. Unsere Propaganda soll nicht auf Verfolgung und Verzweiflung beruhen, sondern auf den klassischen Lehren des Zio nismus, auf dem Willen des jüdischen Volkes, sein nationales Leben aufzubauen, seine nationale Kultur zu erneuern und den Status der Juden, die sich in Palästina niederlassen, zu normalisieren. All das bedeutet, daß wir den Geist unserer Jugend erfassen müssen. Die Jugend in der ganzen Welt sucht nach neuen Idealen, die iht helfen sollen. In Amerika gibt es Tausende von jungen Juden, die sich dem Kommunismus zuwenden, weil sie glauben, daß er eine Welt der Gerechtigkeit aufbauen wird; sie glauben auch, daß der Kommunismus die einzige Lösung der Judenfrage sei. Der Kommunismus, von dem so viele junge Juden angezogen werden, wirkt entnationali sierend wie auch assimilierend in einer Weise, die in der bisherigen Assimilation nicht möglich war. Deshalb müssen wir einen Zionismus haben, der mit großen sozialen Idealen verbunden ist, eine jüdische Nation, die auf sozialer Gerechtigkeit beruht (Lebhafter Beifall). Das ist der Grund, weshalb ich, ein Allgemeiner Zionist, die Forderungen befürwortet habe, die hauptsächlich von der Linken vertreten werden. Das Kapital, welches nach Palästina kommt, muß sich den Gesetzen einer gerechten sozialen Ordnung unterordnen, sonst wird es nicht das Wohl, sondern das Wehe Palästinas bedeuten (Beifall). Die Rede des Herrn Großmann war zwar provokant, aber nicht überzeugend, außer in bezug auf den Boykott, welcher von vielen Leuten in Palästina ignoriert wird. In bezug auf die Kritik des Herrn Großmann an der Arbeiterbewegung in Palästina muß ich erwidern: wenn wir eine starke Arbeiterbewegung in einer Zeit der rapiden wirtschaftlichen Entwicklung haben, dann muß die Arbeiterbewegung diszipliniert sein. Ich teile die Ansicht des Herrn Großmann, daß unsere maximalen Forderungen in Palästina nicht erfüllt worden sind. Wenn der Legislative Council die Juden in Palästina auf einen Status der Minderheit herabdrücken sollte, dann ist das ein Akt der Sabotage gegen die Balfour-Deklaration und gegen die Artikel des Mandates über das jüdische Nationalheim (Beifall). Wir sind noch nicht die Herren