Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 301)
- Language
- German, English, Hebrew
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298 io. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte jene erregte Atmosphäre unter den Juden in der Welt schaffen, als gäbe es im Lande keine günstigen Bedingungen für das Wachstum der Wirtschaft. Ich weiß nicht, ob es in der Welt noch eine Arbeiterbewegung gibt, die, während sie die Interessen des Arbeiters verteidigt und die Rechte des Arbeiters schützt, selbst lernt und den Arbeiter lehrt, sich um die HetlürlnU*e der WirtH'huft m kttmmci'n, wie e* dw ffhttevhe Arbvliorbewegung im Laude tut. Ihr aber, die Ihr angeblich nach der Einheit des jüdischen Volkes und nach Harmonie strebt, begnügt Euch nicht damit, die Beziehungen allgemein zu verschärfen und dabei nichts Reales für die jüdische Arbeit und die Besserung der Arbeitsverhältnisse zu tun, sondern Ihr habt in der letzten Zeit die „große" Tat vollbracht, eine selbständige Arbeiterorganisation zu errichten. Ich spreche hier im Namen einer sozialen Macht, die schon viel erlebt, die bereits die berüchtigte Erklärung gehört hat, daß man „■zerbrechen und teilen44 wolle, und sich auch dadurch nicht schrecken ließ. Schließlich glaubt die Histadruth sowohl an sich selbst als auch an eine gewisse Logik des Lefoens im Lande und des Arbeiters, sogar an eine gewisse Logik des Arbeitgebers. Wir haben jedoch die Pflicht, Euch zu sagen: Ihr begeht eine schwere Sünde am Arbeiter und am Zioni^ mus! Ihr sündigt am Arbeiter, indem Ihr ohne Grund und ohne wirkliches Bedürfnis zwischen einem Arbeiter und dem anderen eine Scheidewand aufrichtet, indem Ihr die Kraft des Arbeiters schwächt, indem Ihr Hoffnungen in den Herzen der schlechtesten Arbeitgeber erweckt, daß sie die Zersplitterung der Arbeiter zum Nachteil des Arbeiters werden mißbrauchen können. Ihr geht jenen zweifelhaften Weg, den die Feinde der Arbeiter immer und überall gingen. Ihr versündigt Euch aber auch schwer am Zionismus, weil dieser vor allem an innerem Frieden interessiert ist und es keinen inneren Frieden geben kann, wenn unter den Arbeitern kein Frieden herrscht. Der Zionismus weiß, daß Streit unter den Arbeitern gefährlicher und schädlicher ist als Streit zwischen Arbeitern und Arbeitgebern. Diese künstliche Spaltung zwischen den Arbeitern ist ein doppeltes zionisti sches Verbrechen, weil jeder einzelne von Euch, mag er noch so sehr von Neid, Mißgunst und Haß gegenüber dem Arbeiter erfüllt sein, gestehen muß, wie es auch viele hier getan haben, daß die Arbeiterbewegung ein mächtiger zionistischer Faktor ist, ein politischer, ein kolonisatorischer Faktor, und auch ein jüdisch-kultureller Faktor. Diesen Faktor zunichte zu machen, habt Ihr nicht die Kraft, und keine feindliche Macht wird dazu imstande sein. Es besteht also für die zionistische Bewegung ein Interesse, daß diese Kraft möglichst groß ist. Und wenn Ihr glaubt, daß es in Eurer Bewegung einen Inhalt gibt, so hättet Ihr innerhalb der Hisfadruth stehen müssen, um den zionistischen Charakter dieses Faktors zu stärken. Einer der Redner wollte hier die Tragödie eines allgemeinzionistischen Arbeiters schildern, der sich in der Histadruth wie in der Galuth fühlte, und erklärte, daß ein solcher Arbeiter, da er nicht zu den herrschenden Gruppen in der Histadruth Haowdim zähle, keine Arbeitsmtf