Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 300)
- Language
- German, English, Hebrew
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B. K(iiz?ie/so?i 297 tionale Autorität gibt, dort wird die ganze sozialistische Bewegung sie unterstützen; es darf nur keine falsche nationale Autorität sein! Unser Zionismus, der Zionismus Herzls, war demokratisch. Wie wollt Ihr die Frage der Arbeitsbeziehungen lösen, aus welchen Motiven tut Ihr das? Sprechen wir offen darüber! Ihr wandelt dabei auf den Yvxgen der reaktionärsten Parteien der Welt. Ihr nehmt aus dem ganzen Problem der Arbeitsbeziehungen einen Punkt heraus, sprecht von obligatorischem Schiedsgericht und sagt: Bitte, akzeptiert diesen Grundsatz! Ich aber sage Euch: Man löst derartige große Fragen nicht auf diese Weise. Ich sehe im obligatorischen Schiedsgericht nur das Dach des Gebäudes, und bevor man das Dach errichtet, ist ein fester Grund notwendig, auf dem das Gebäude stehen soll. Zur Regelung der Arbeitsbeziehungen muß zuerst dieser feste Grund vorhanden sein, dann kann man sich entscheiden, ob man obligatorisches Schiedsgericht einführt oder einer anderen Form zustimmt. Vor dem Richter kommt das Recht, das Volk schafft das Recht, und erst auf der Grundlage dieses Rechtes fällen die Richter ihren Spruch. Wenn Ihr ernstlich an eine Regelung der1 Arbeitsverhältnisse denkt, müßt Ihr an dem Grundsatze festhalten, daß der Zionismus ein Arbeitsgesetz bestimmt, sich um den Arbeitslohn, die Interessen der Wirtschaft und das Arbeitsrecht kümmert. Das ist eine vollständige Konzeption. Mit einer Phrase für die Gasse dagegen kann man den Komplex so verwickelter Beziehungen in einem werdenden Staate nicht lösen. Warum soll ich Euch im übrigen glauben, daß Ihr es ehrlich meint? Die Bedingung, die vor dem obligatorischen Schiedsgericht erfüllt sein muß, ist, daß es neutral ist, d. h. daß man sich nicht vor jedem Mächtigen bückt. Habt Ihr denn die Möglichkeit, ein Schiedsgericht von unparteiischen Menschen zu bilden? Ihr habt auf Eurem Wege alle sozialen Begriffe verloren, mit denen der Zionismus begonnen hat. Ihr beruft Euch auf Herzl und predigt in seinem Namen Moral, habt aber den ganzen sozialen Gehalt Herzls eingebüßt. Und da wollt Ihr, daß wir uns auf Euch verlassen und das Schicksal der Massen im Lande und der Massen, die im Begriffe stehen, einzuwandern, in Eure Hände legen, in die Hände eines Häufleins von Menschen, denen es unmöglich ist, hier einen unparteiischen Weg zw linden! Und Ihr, die Ihr nicht das Geringste dafür getan habt, in das verwickelte Problem der sozialen Verhältnisse des Jischuw einzudringen, verschließt einfach Eure Augen vor der Tatsache, daß im Lande zwar nicht eine schriftliche, aber eine mündliche Lehre von den Arbeitsverhältnissen entsteht, daß in der Praxis eine Arbeitskonstitution durch Arbeitsübereinkommen entsteht. Wenn es nicht Leute gäbe, die grundsätzlich Unfrieden stiften, die aus Prinzip zerstören müssen, Menschen, die die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern verschärfen, so würden sich die Arbeitsbeziehungen im Lande, in der Industrie und in der Landwirtschaft regeln. Ihr seid es, die durch eine parteimäßige, uns feindselige Propaganda, durch die Schaffung von Gegensätzen zwischen den Arbeitern jene Furcht und