Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1937-01-01 · 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935 · p. Seite 285

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
Date
1937-01-01
Page
Seite 285 (sequence 288)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476292--9329-3485480
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Zucke?mann, Weizmann 285 die Legende von dem Streit zwischen den Tannaiten: einst wollte einer von ihnen unwiderleglich beweisen, daß er recht habe, und rief die Wände des Lehrhauses zu Zeugen an. Als diese zum Zeichen der Richtigkeit seiner Behauptung zu zittern begannen, rief sein Gegner aus: „Die Thora ist nicht im Himmel". Er wandte sich also direkt gegen Gott. Er meinte: Die Thora ist den Juden gegeben, sie können sie erklären, wie sie wollen. Wenn der Tannait Gott selbst das entgegenhalten durfte, um so mehr darf man sagen: sie ist auch nicht in den Händen des Misrachi. Einer Sache bin ich sicher: In den Grundlagen unserer Erziehung wird die Lehre Moses mit allen großen sozialistischen Gedanken vereinigt sein. Ebenso klar aber ist, daß weder die Lehre Bogratschoffs noch die Rokachs noch die Lehre Großmanns darin aufgenommen sein wird (Beifall). Zum Schluß noch einige Worte über die Lage des Zionismus in einem gewissen Lande, und da werde ich wohl Zwischenrufe nicht nur von rechts, sondern auch von meinen Freunden aus Amerika hören. Es gibt einen Teil der jüdischen Welt, der für uns noch unentdeckt ist. Ungeheure potentielle Kräfte liegen dort, auf die niemand ein Monopol hat, nicht Felix Warburg im Namen der Agency, nicht Louis Lipsky oder Stephen Wise im Namen des Zionismus und nicht meine Genossen von den Poale Zion namens der Arbeiterschaft. Ich möchte die Aufmerksamkeit unserer kommenden Exekutive auf diese Frage lenken. Es ist hier weder Zeit noch Ort, um eine eingehende Analyse jener Kräfte im amerikanischen Judentum zu entwickeln; ich will daher hier nur eines sagen: wir haben ein Judentum vor uns, das begonnen hat, seinen jüdischen und menschlichen Weg zu suchen. Wer kommen wird, es zu führen, der wird es gewinnen. Es ist Aufgabe der zionistischen Bewegung, diesem Judentum einen Inhalt zu geben, und der Zionismus, und hier wieder gerade der Arbeiterzionismus, der konstruktive Volkszionismus, hat die Kraft, dieser jüdischen Jugend all den inneren Reichtum zu bringen, nach dem sich heute eine Jugend sehnt. Zu diesem Zweck haben wir manches zu tun. Zunächst sollte der Keren Hajessod die unglückliche Ehe mit dem American Joint Distribution Committee lösen und sich selbständig machen. Ich sage das nicht als Gegner des Joint; ich kenne seine Arbeit und weiß, daß auch für ihn diese Ehe nicht erfreulich ist. Für uns ist sie es gewiß nicht. Wir dürfen heute Erez Israel nicht nur als einen Punkt in einer großen Zahl mehr oder minder wichtiger Aufgaben betrachten lassen. Wir müssen vielmehr dem amerikanischen Judentum die Frage von Erez Israel ganz offen stellen. Dazu bedarf es einer gründlichen Reorganisation des amerikanischen Zionismus. Es muß aufgeräumt werden mit jener Monroe-Doktrin, die glaubt, alles allein machen zu können, und niemandem erlaubt, sich in amerikanische Angelegenheiten einzumischen. Der Kongreß möge die Exekutive beauftragen, diesen Verhältnissen einen Riegel vorzuschieben. Von welcher Seite die Gegnerschaft auch kommen mag, wir müssen diesen Rahmen zerbrechen. Wenn wir zum amerikanischen Judentum mit dem Gedanken eines

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.