Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 284 (sequence 287)
- Language
- German, English, Hebrew
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284 w. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte Klassendifferenzen existieren, solange, wissen wir, wird es Streiks geben, obwohl wir selbst nicht allzu viel von dem Streik-Gebot halten. Aber wenn Ihr glaubt, damit die Massen schrecken zu können, so habt Ihr ja gesehen, daß die Massen sich nicht davon abhalten lassen, für eine Klasse zu stimmen. Sie haben für uns gestimmt, weil sie eine direkte Verbindung zwischen den eigenen Interessen und den der „Klasse44 spüren. Auch sie wollen Streiks verhindern, indem sie durch ihre Stimmabgabe für uns uns ermächtigen, neue Siedlungen wie En Charod und Nahalal zu errichten. Niemand darf sich das Monopol anmaßen, sich einzureden, daß er das Volk vertrete und ein anderer nur die Klasse. Die Anatomie des Zionismus hat sich geändert. Im Zentrum unserer Arbeit steht und wird immer die Arbeiterklasse und alle, die darnach streben, sich und das ganze Volk in Erez Israel durch Arbeit zu erlösen, stehen müssen. Einen anderen Weg gibt es nicht. Ein paar Worte zur Frage der Erziehung! Das Erziehungswesen in Erez Israel hat seine schwachen Seiten, die keiner von uns ableugnen wrill. Es wird aber eine Zeit kommen, wo die ganze Erziehung einheitlich sein wird, und dann werden vielleicht gerade die Bogratschows, die uns heute hier Moral predigen, sich dieser Einheit nicht unterwerfen wollen. Denn die Einheitlichkeit wird auf dem Recht jedes Juden in Erez Israel beruhen, zu sagen, auf welchen Grundlagen diese Einheit der Erziehung aufgebaut sein muß. Solange es jedoch Menschen gibt, die anderen, weil diese keine eigene Wohnung haben, das Recht nehmen, über diese Erziehung mitzubestimmen, werden wir uns einer aufgezwungenen Einheit nicht unterwerfen. Wenn es zu dieser Einheit kommen wird — und es wird dazu kommen — so bin ich sicher, daß in ihre Grundlagen die elementaren Begriffe der Lehre Mosis und der Propheten sowie die sozialen Wahrheiten der Lehre von Marx aufgenommen werden. Ich bin mit dieser Ideologie nicht völlig einverstanden; wenn man jedoch aus Marx und Marxismus ein Schimpfwort macht, so sage ich: Was Marx geschaffen hat, wird in den Schatz jüdischer Schöpfung eingehen; was aber Großmann geschaffen hat, wird morgen vergessen sein. (Lebhafter Beifall links, \große Unruhe rechts. Judensta/itler, Misrachisten und ein TZeil der Allgemeinen Zionisten wollen den Redner durch Lärm am W^eitersprechen hindern). VORS. PRÄS. DR. CH. WEIZMANN: Wollen Sie mir helfen, den Kongreß würdig zu führen oder nicht? Ist es wirklich unmöglich, ohne fortwährende Zwischenrufe auszukommen, die zwar — das bestreite ich nicht — parlamentarisch zulässig sind, aber bei uns sofort in Lärm ausarten? Ich habe nichts dagegen, daß man Herrn Zuckermann Zwischenrufe macht, aber daß das Antlitz des Kongresses entwürdigt wird, werde ich nicht zulassen. Ich bitte Sie, mir zu helfen. Jeder wird zu Worte kommen', ich bin auch bereit, irgend jemanden eine streng antimarxistische Rede halten zu lassen (Beifall). BARUCH ZUCKERMANN (fortfahrend): Der Misrachi möge mir nicht übel nehmen, was ich jetzt sagen werde. Sie kennen sicherlich