Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 286)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476292--9327-3485478- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zuckermann, Weizmann 283 Stimmen seine wenigen Zehntausende ersetzen. Herr Großmann möge sich also nicht einreden, daß er das Volk vertritt! Das Volk hat für die „Klasse" gestimmt {Lärmende Zwischenrufe: Für Geld! Für die Klasse der Zertifikate!). VORS. PRÄS. DR. CH. WEIZMANN: Ich glaube, es nützt nichts, wenn Sie schreien. Wie ich merke, hat auch Herr Zuckermann eine gute Stimme (Heiterkeit). BARUCH ZUCKERMANN (fortfahrend): Auf den Zwischenruf wegen der Zertifikate habe ich nur zu antworten: Ich war in vielen Städten Osteuropas und habe gesehen, wer Konjunkturgeschüftc mit Zertifikaten macht. Wir haben Tausende von Chawerim, die in der Reihe stehen und sogar jahrelang auf ein Zertifikat warten, und gerade die Freunde des Herrn Großmann wissen, daß man in manchen Stadien zu unseren Leuten geht und ihnen sagt: „Kommt zu uns, dann bekommt ihr die Zertifikate früher.44 Und diese Seite wirft uns vor, daß wir Konjunkturgeschäfte mit Zertifikaten machen! Wenn sich viele vielleicht darüber gewundert haben, wieso wir in diesem Kongreß wahl - kämpf erfolgreich beim Kleinbürger um Stimmen geworben haben, dann mögen sie doch folgende Tatsachen bedenken: Hier haben viele über die Anleihe gesprochen. Warum hat man aber nicht hervorgehoben, auf welcher Grundlage diese Anleihe aufgenommen wurde? Wären nicht die sozialistischen Wirtschaften gewesen, die aus der Kraft der Arbeiterklasse errichtet wurden, und das nationale Kapital, dann hätten wir diese Anleihe nicht. Und wenn mit dieser Anleihe ein? große Siedlungsarbeit vollführt wurde, ist das eine Leistung nur für eine Klasse oder für das ganze jüdische Volk? Niemand bestreitet, daß unserer Aufbauarbeit in Erez Israel die große Gefahr droht, daß die Stadt in viel stärkerem Verhältnis wächst als das Dorf. Warum aber sieht man in dieser Zeit der Prosperity nicht, daß die nichtsozialistischen Wirtschaften von jüdischen Arbeitern leer sind und daß gerade die sozialistischen Wirtschaften an Zahl gewachsen sind? Ich will damit nicht sagen, daß die sozialistischen Wirtschaften die einzige Lösung für das Problem Stadt und Land sind; wenn man jedoch sieht, daß in den sozialistischen Siedlungen ein Teilproblem der Verwurzelung jüdischer Massen in der Landwirtschaft erfolgreich gelöst ist, so ist das nicht nur ein Erfolg der Arbeiter* klasse, sondern eine Garantie für gesunde Wirtschaftsverhältnissc im ganzen Volke. Der jüdische Kleinbürger hat das besser begriffen als mancher, der hier irii Saale sitzt, und daraus die Konsequenz gezogen» mit uns die Parole auszugeben: Baut neue Siedlungen wie En Charod und wie Nahalal. Und den Leuten, die vor einem Streik zittern, sage ich: Ein Streik ist wohl in Petach Tikwah möglich, aber nicht in En Charod und Nahalal! (Unruhe und Lachen rechts.) Streik ist nur dort möglich, wo es Klassen gibt. Und Streiks kann man nur abschaffen, wenn man die Klassen abschafft. Deshalb gibt es in En Charod keinen Streik, während er in Petach Tikwah und anderen sogenannten „nationalen Wirtschaften" eine häufige Erscheinung ist. Solange diese