Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 280)
- Language
- German, English, Hebrew
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Zuchowiecki 277 Landwirtschaft, und wir müssen alles Mögliche unternehmen, um sie zu fördern. Wir wissen aber alle, was in der ganzen Welt vorgeht, und können unsere Augen nicht vor der schweren Krise verschließen, die die Landwirtschaft in der ganzen Welt durchmacht. Wenn wir unser gesamtes Werk nur auf dem lokalen Markt aufbauen wollen, sind wir der Gefahr ausgesetzt, nach einiger Zeit auch auf diesem Gebiet vor Schwierigkeiten zu stehen. Mit Freude hörten wir die schwungvolle Rede von Ben-Gurion — wir sind Millionäre geworden, wir haben eine Million Juden, eine Million Schekelzahler. Aber wir müssen den Schwung auch in unsere Arbeit hineinbringen und uns um die Ansiedlung von tausend Familien auf dem Boden kümmern. Es wäre jedoch ein Fehler, wenn wir unsere Wirtschaft nur auf die Landwirtschaft des Emek, nur auf Gemüse, Eier und Milch aufbauen wollten. Was werden wir tun, wenn wir in eine Lage kommen, in der wir auf den Export angewiesen sein werden? Werden wir denn dann Eier und Milch auf den Weltmarkt schicken? Dann wird die Frage viel schwieriger sein als die Frage des Exports von Orangen. Zwischen mir und Herrn Uri besteht ein Streit in bezug auf die Versorgung des lokalen Marktes mit der lokalen Produktion. Ich behaupte, daß eine Familie in intensiver Landwirtschaft sieben bis acht Familien mit ihrer Produktion versorgen kann, und daraus folgt, daß es in Palästina für nicht mehr als 15 Prozent Landwirte Platz gibt. Wenn man dazu die Produktion der arabischen Landwirte hinzurechnet, dann wird die Zahl der jüdischen Landwirte kleiner sein als 15 Prozent, und dann werden wir den Weltmarkt benötigen. Ich ziehe diese Folgerung nicht, um Schrecken einzuflößen, ich will nur sagen, daß wir die Furcht vor einer Krise im Pflanzungsbau übertreiben. Es wird allerdings der Tag kommen, da der Pflanzungsbau von der Industrie zur Landwirtschaft übergeht, das ist seine Zukunft; er kann nur ein landwirtschaftlicher Zweig bleiben für den Selbstarbeiter, das ist eben das Schicksal der Landwirtschaft in der Zukunft. Wenn wir also den Pflanzungsbau als einen der ständigen Wirtschaftszweige ansehen, auf denen die Landwirtschaft basiert, so sage ich Euch, daß ihr nichts getan habt, um diesen Zweig zu festigen. Ihr müßt Euch bewußt sein, daß dieser Monopolzweig unserer Landwirtschaft eine Zukunftsbasis bildet, und deshalb müssen auch im Emek alle Wirtschaften einige Dunam Zitrusfrüchte besitzen! (Zwischenruf S. LAWI: Und in Judäa alle Weizenbau!) Ja, auch Weizen in Judäa, und deswegen muß die Jewish Agency neue Märkte suchen! Man muß die Pflanzungswirtschaft als die Zukunft der Landwirtschaft ansehen, als einen Zweig, der sie befruchtet und den Arbeitern die Möglichkeit gibt, als moderne Landwirte zu bestehen, als Kulturmenschen eine sichere Existenz zu erringen. Mit Recht hat Herr Ben-Gurion gesagt, daß wir in der Landwirtschaft die jüdische Wissenschaft brauchen. Er vergaß nur, daß wir im Talmud einen Traktat „Saaten" haben. Wir wollen ihn mit allen seinen Kommentaren von neuem lernen, um unsere Landwirtschaft