Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 266)
- Language
- German, English, Hebrew
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Cbasan 263 jüdischen Massen in Erez Israel leben werden. Gerade in diesem Bilde gibt es viele dunkle Flecken. Die jüdische Stadt ist gewachsen, das jüdische Dorf jedoch nicht in gleichem Maße. Es wuchsen die jüdischen Unternehmungen, aber der jüdische Arbeiter wurde von den Arbeitsplätzen, die er sich auf dem. Dorfe, in der Landwirtschaft errungen hatte, verdrängt. Heute ganz besonders müssen wir uns auf die Frage konzentrieren, wie wir die Errichtung des nationalen Heims sichern, daß keine neue Galuth entsteht. Wenn es uns nicht gelingt, das jüdische Dorf, die jüdische Landwirtschaft aufzubauen, wenn wir keinen jüdischen Arbeiterstand schaffen, der in der Urproduktion, vor allem in der Landwirtschaft tätig ist, dann errichten wir in Palästina eine neue Diaspora und zerstören die letzte Hoffnung unseres Volkes. Wir haben nicht viel Zeit übrig, und die Arbeit ist unendlich groli. Die Gefahr eines neuen Weltmordens schwebt über unseren Häuptern, über dem Haupte der ganzen Menschheit. Dieser Krieg würde vor allem uns treffen. Vom ersten Tage an würden wir in Stücke gerissen sein und auf allen Fronten würde unser Blut fließen. Erschreckend ist die Sorglosigkeit, die hier zu spüren ist, — wir haben nicht ein Wort' darüber gehört, daß uns nur kurze Zeit für unser Werk bleibt, für die Grundlagen, die uns den Bestand in der bevorstehenden Schreckenszeit einigermaßen sichern. Wir haben vor allem dafür zu sorgen, daß wir nicht in diesen Krieg hineingezogen werden, wir müssen gegen jeden Versuch ankämpfen, uns in dieses Blutvergießen zu verwickeln, mit jüdischem Blut für diese oder jene politische Kombination zu hazardieren. Es ist unsere heiligste Pflicht, den letzten Hoffnungsfunken des jüdischen Volkes zu bewahren, das Werk zu sichern, das zu errichten uns schon geglückt ist, dafür zu sorgen, daß es in dieser furchtbaren Zeit bestehen kann. Wir sind mit unserem Befreiungswerk zu spät gekommen. Viele Völker haben bereits erreicht, was sie verlangt, und wovon sie geträumt haben — die nationale Selbständigkeit. Heute ist der Frühling der Völker bereits vorüber, heute wird unser Werk inmitten eines furchtbaren Sturmes, inmitten des letzten gesellschaftlichen und sozialen Kampfes verwirklicht. Heute sind wir eines der letzten Völker, denen es noch nicht gelungen ist, ihre nationale Frage zu lösen. Und noch etwas müssen wir uns vor Augen halten: Allen Völkern glückte der Kampf nur dann, wenn sie es verstanden, ihren nationalen Kampf mit einer menschheitlichen Vision, mit der Vision der Befreiimg des Menschen, zu verbinden. Jede nationale Bewegung hatte nur dann Erfolg, wenn an ihrer Spitze Schichten und Klassen standen, die den Fortschrittsgedanken, die progressiven Kräfte im Gesellschaftsleben zum Ausdruck brachten. Wir aber stehen heute vor der Gefahr, daß im zionistischen Lager der gefährliche Selbstbetrug Plate greift, man könnte entgegen diesen Kräften, entgegen diesen Gedanken, entgegen dem menschlichen und sozialen Fortschritt, das Werk des Aufbaus durchführen. Die Zukunft des zionistischen Werkes ist untrennbar verknüpft mit der Zukunft der jüdischen Arbeiterklassey der Klasse, bei der die nationale Vision mit der sozialistischen verbunden ist, der Traum von menschlicher,