Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 265)
- Language
- German, English, Hebrew
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262 Neunte Kongreß-Sitzung. Freitag, 23, August 1935, nachmittags. Beginn der Sitzung: 15 Uhr 20 Min. Vorsitz: Präsident Dr. Ch. Weiz mann. VORS. PRÄS. DR. WEIZMANN: Wir haben schon eine Verspätung von 25 Minuten. Die Delegierten sind wohl noch irgendwie beschäftigt. Ich kann leider nicht warten. Die Türen bleiben geschlossen. Wir fahren in der Generaldebatte fort. JAAKOB CHASAN (Arb., Erez Israel — spricht hebräisch): Namens des Haschomer Hazair, der mit seinen 25 Delegierten einen Teil der Arbeiterfraktion bildet, will ich hier unseren Standpunkt zu den Fragen darlegen, mit denen der Kongreß sich beschäftigt. Wir, die Arbeiterbewegung, sind nicht mit dem Gefühle des Sieges hergekommen. Obwohl die letzte Periode eine Periode von Erfolgen für die zionistische Bewegung, eine Periode der Massenalijah und des schnellen, ununterbrochenen Aufbaus war, kennen gerade wir, die wir die Last dieses Werkes tragen, mehr als andere die Gefahren, die es gerade in der letzten Zeit bedrohen. Wir dürfen nicht die Augen vor den Schatten verschließen, die immer stärker werden. Dunkle Wolken bedecken nicht nur den weiten Horizont — große Gefahren bedrohen unser Werk auch von innen. Wenn wir ihrer nicht rechtzeitig Herr werden, werden wir den letzten Hoffnungsfunken ersticken, den wir für unser unglückliches Volk in der Finsternis seiner Nöte in Palästina entzündet haben. Noch niemals gab es eine Periode, die so gewaltige Anstrengungen zu machen hatte, um das Antlitz der Wirklichkeit zu erneuern, noch niemals eine Periode, die so stark wie diese untrüglichen Wirklichkeitssinn von uns forderte. Wir brauchen keine neuen Visionen. Klare Pläne* reale Arbeit und nicht Träume brauchen wir heute. Gerade in einer Zeit, wo unser Volk in Not erstickt, droht die Gefahr, daß es sich vor dieser Not, vor dem grauen Alltag in Visionen flüchtet und die Hände in den Schoß legt. Heute muß man die Vision unserer nationalen und sozialen Befreiung, die auf dem Amboß der Nöte unseres Volkes geschmiedet wird, mehr als je.in das gewaltige, ununterbrochene Werk des Alltags ummünzen. Die Sclxitten im Innern werden zahlreicher. Es ist richtig, daß der jüdische Jischuw in einem Umfang gewachsen ist, wie wir ihn bis jetzt nicht kannten. Es kam die Massen-Alijab, der gerade wir, die chaluzische Beilegung, den Weg gebahnt haben. Aber das zionistische Werk drückt sich für uns nur in der Quantität aus. Mehr .als die Quantität bestimmt das Los des zionistischen Werkes die Qualität, die Art, wie es gebaut wird, was wir im Lande leisten, wie die