Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 263)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476292--9304-3485455- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
260 8. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte wenn man Tozereth Haarez vernachlässigt und Dumpingwaren kauft? Das tun alle guten Zionisten ohne Unterschied der Partei, und das gefährdet unsere ganze Industrie in Palästina. Es gibt einen großen Fragenkomplex der Arbeitsbeziehungen; über ihn haben meine Freunde bereits gesprochen und werden wohl noch sprechen. Ich will nur eine Frage hier behandeln. Im Laufe dieses Jahres lebten wir in Palästina in einem Zustande von Terror und Sorgen wegen Streitigkeiten und Ueberfällen auf dem Gebiete der Arbeitsverhältnisse. Endlich kam der Augenblick, wo wir den Glauben hatten, daß diese Verhältnisse nicht andauern und wir in Palästina endlich verstehen werden, statt Gewalttaten friedlichen Meinungsaustausch anzuwenden. Zu meinem größten Bedauern haben in der letzten Zeit wieder Gewalttaten in Palästina begonnen, und zwar nicht gegen Streikbrecher, sondern gegen einfache Juden. Ich weiß, daß in Haifa ein Ueberfali auf den Hapoel Hamisrachi stattfand, der nach seiner seinerzeit im „Haarez*1 veröffentlichten Erklärung Mitglied der Histadruth ist. Ein anderer ähnlicher Ueberfali fand in Kerkur statt. Natürlich sind das kleine Fehler im Mechanismus, aber sie sind ein sehr schlechtes Zeichen. Wenn das so weiter geht, werden wir wieder den Zustand haben, der vor eineinhalb Jahren bei uns herrschte und unser Leben sehr vergiftet hat. Als der Präsident dieses Kongresses in Palästina war, sprach er darüber mit wehem Herzen und wies darauf hin, daß diese Dinge zu einem Bürgerkriege führen können. Wenn ihr die Vereinigung aller Kräfte des Zionismus wollt, schafft vor allem einen Zustand, bei dem keine Möglichkeit für Bürgerkrieg oder Gewalttaten besteht, sondern für eine friedliche Zusammenarbeit, für Aufbau und Alijah unter Bedingungen, die zur Verdoppelung des Jischuw führen können (Beifall rechts). LEON BASSAN (IPelt verein. Allg. Zion., Aegypten - spricht fr anzösisch): In allen Ländern finden Judenverfolgungen statt, dennoch stehen tausende Juden noch abseits von der zionistischen Bewegung^ Während der Skeptizismus in den Herzen der assimilierten Juden, die in ihren Ländern großzügige Privilegien genießen, noch immer verankert ist, haben die Ereignisse in anderen Staaten viele unserer Brüder belehrt. Zu ihnen gehören auch die sephardischen Juden der Mittelmeerländer. Die Verfolgungen führen sie in unsere Reihen zurück. Die Scphardim haben niemals an der Zukunft des Zionismus gezweifelt, aber sie mußten ihre Begeisterung dämpfen, um bei den mohammedanischen Nachbarn nicht eine Atmosphäre des Zweifels an ihrem Patriotismus hervorzurufen. Die Juden Bulgariens sind, nachdem sie ihren Besitz liquidiert hatten, als erste aus eigenen Mitteln nach Palästina übergesiedelt; mehrere Dutzend von ihnen haben alle Nöte des Krieges mitgemacht und unter ungeheuren Opfern am Boden festgehalten. Die Sephardim der anderen Länder haben durch regelmäßige Leistungen unsere Bewegung gefördert, u. a. durch fürstliche Zuwendungen, wie die des Sir Kadoorie aus Schanghai, und durch aktive Propaganda in allen Zentren am Rande des Mittelländischen Meeres. Ueberall wurden zionistische Gruppen gebildet. Unsere jüdi-