Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 255)
- Language
- German, English, Hebrew
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252 8. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte mhcber Beifall). Ich halte es für gut, daß wir das in der Polemik mit anderen wissen, dessen eingedenk sind. Aber eines habe ich doch nicht verstanden. Herr Großmann ist doch ein geschulter Polemiker. Wie konnte er nicht die Stimmung des gestrigen Tages erfassen und uns gerade gestern damit schrecken, daß man jüdische Kinder aus Deutschland mit nationalen Geldern sozialistischen „roten" Kwuzoth, ja selbst an Ejn Charod, ausgeliefert habe? Gestern, als wir von dieser Tribüne eine andere Rede hörten, die von den großen Erfolgen auf dem Gebiete der Ueberführung jüdischer Kinder aus Deutschland nach Erez Israel erzählte, als wir diese Rede in ihrer Aufrichtigkeit, Reinheit und menschlichen Größe, in ihrer Hingabe und ihrem Feingefühl, als wir die Rede der Gründerin der amerikanischen Hadassah und der Leiterin unseres Kinderhilfswerkes in Palästina, Henrietta Szold, vernahmen, wußten wir, daß wir dieses Werk in treue, pädagogisch hochstehende und national zuverlässige Hände übergeben haben. Wie konnte Herr Großmann nicht begreifen, daß der Kongreß diese beiden Reden und diese beiden Redner miteinander vergleichen werde! (Stürmischer Beifall). Doch nicht nur von diesem Standpunkte allein war die Rede von Henrietta Szold bedeutsam; sie ist auch symptomatisch für die Möglichkeit einer wahrhaften Zusammenarbeit und für die Hoffnung auf einen echten Zusammenschluß aller Kräfte. Wir ersahen daraus, daß eine Partei, wenn sie mit Aufrichtigkeit und Hingabe arbeitet, hoffen darf, bei der andern Partei hinreichend Verständnis zu finden, selbst in dieser Zeit der Parteiverhetzung und des Parteihasses. Aus der Rede von Miß Szold strömte wieder der reinigende Geist von Bialik und Schmarjahu Levin, der Geist ihres Freundes Louis D. Brandeis und Chaim Weizmanns, die in sich den wirklich progressiven Zionismus und alles Schöpferische, das sich um Erez Israel konzentriert, ent* halten (Beifäll). Ich bin tief überzeugt, daß wir so, in diesem Geiste über alte Konflikte hinwegkommen, daß alte Wunden geheilt werden und eine gemeinsame Sprache gefunden wird zwischen allen schöpferischen, fortschrittlichen, ehrlichen und zionistisch verwurzelten Kräften für eine erfolgreiche Entwicklung der gesamten zionistischen Bewegung. Doch nicht darin besteht die Tragik der Stunde, daß wir mehr oder weniger verfeindet sind, daß wir nicht immer eine gemeinsame Sprache finden. Tragisch und problematisch ist die in manchen Nichtarbeiterkreisen herrschende Auffassung, die sich nicht damit abfinden kann, daß eine so große Zahl von Arbeitern auf diesem Kongreß sitzt. Herr Großmann hat gesagt, daß das Wachstum der Histadruth für die Zionistische Organisation eine „makka", ein schweres Unglück für den Zionismus sei. Wenn auch nicht alle seine Freunde dieser Meinung sind, sind sie doch alle darin einig, daß es eine „makka schelo ketuba" ist, etwas, was nicht unbedingt zum Zionismus gehört und gehören muß. Von allen möglichen Problemen haben die legitimen zionistischen Führer vorher gesprochen, doch wer von ihnen sprach je von der Sünde der Bodenspekulation und des Streikbruches, wer davon, daß die Einheit der Histadruth eine zionistische Forderung ist? Bis heute