Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 253)
- Language
- German, English, Hebrew
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250 8, Kongreß-Sitzung: Generaldebatte gar keine Freiheit mehr, um nach einem wirklichen Plan die Aufbaupolitik zu führen. Eine sehr ungünstige Erscheinung ist das große Wachstum der Stadtbevölkerung gegenüber der Landbevölkerung. Was hat die Exekutive getan, um hier Abhilfe zu schaffen, um jenen Menschen, welche mit eigenem kleinen Kapital ins Land kommen, zur Ansiedlung im Dorfe "zu verhelfen? Wir haben keine Institution, welche das private Kapital zur Erweiterung der landwirtschaftlichen Basis des Landes heranziehen könnte. Was ist auf dem Gebiete der Bodenpolitik geschehen? Es gibt keinen Kongreß, auf dem es nicht gesagt wurde, und keine Partei, die es nicht sagen würde, daß wir vor allem eine große Bodenreserve brauchen. Es gibt keine Partei, die nicht begreift, wie schädlich der Bodenwucher ist. Aber einen wirklichen Weg, hier Abhilfe zu schaffen, sehe ich nur darin, daß man ein zentrales Bodenverkaufsinstitut mit großen Mitteln schafft.. Anders ist das Problem nicht zu lösen. Ich frage die Exekutive: was ist geschehen, welche Anstrengungen sind gemacht worden, um ein solches Institut ins Leben zu rufen? Wir haben hier eine Reihe von Rednern über Allgemeinen Zionismus sprechen hören, von denen man früher allgemein-zionistische Reden nicht zu hören gewohnt war. Wir haben auch eine allgemein-zionistische Rede von Ben-Gurion gehört, die zum Teil meinen besondern Beifall hat. Es gab Zeiten, wo wir sehr für die Anerkennung der Bedeutung des Privatkapifak zu kämpfen hatten. Wir sind sehr zufrieden, daß sich dies jetzt geändert und man die Bedeutung des Prtvatkapitals eingesehen hat. Aber es ist doch bezeichnend, daß Ben-Gurion den Begriff des Nationalkapitals auf das Privatkapital erweitert, welches jüdische Arbeiter beschäftigt. Da muß man doch immerhin sagen: ein Bodenspekulationsinstitut etwa kann man nicht als nationales Kapital betrachten, selbst wenn es jüdisches Kapital hat und jüdische Arbeiter hundertprozentig beschäftigt. Wohl aber muß man z. B. das Novomejski- Unternehmen, das nicht hundertprozentig jüdische Arbeiter hat, als national-positiv ansehen, weil es nationale Bedeutung hat. Nationales Kapital ist eben jenes, das im Rahmen und im Sinne unseres nationalen Aufbaues verwendet wird. Dazu gehört gewiß auch die Notwendigkeit der Awodah iwritb, aber man darf nicht vergessen, daß es hier auch noch andere Voraussetzungen gibt. Einerlei! Es ist gut, daß man heute allerseits die Funktion des Privatkapitals für den Aufbau endlich einzuschätzen gelernt hat. Was aber ist geschehen, um es heranzuziehen? Das Privatkapital ist nicht so behandelt worden, wie es sein sollte". Ich meine vor allem jenes Kapital, das nicht so wie das Großkapital ins Land kommt, sondern gleichzeitig mit den einwandernden Juden. Der soziale Friede in Erez Israel muß endlich einmal geschlossen werden, nicht gegen die Arbeiter, sondern bei vollem Schutz der legitimen Arbeiterinteressen, nicht für oder gegen die Arbeitgeber, nur bei gerechtem Schutz des Kapitals und der mit kleinem Kapital einwandernden Menschen. Wir müssen die gerechten Forderungen der Arbeiter sowie der Arbeitgeber feststellen und auf diesem Wege den sozialen Frieden finden. Auch darin aber hat die Exekutive versagt. Es ist ein ganz