Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 251)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476292--9292-3485443- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
248 S. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte tiert. Diese Organisation werden wir durch die Schaffung von üerritorialverbänden festlegen, aber wir müssen bedenken: Territorialverbände können nicht von oben her aufoktroyiert werden, sondern sie müssen, wenigstens in gewissen Ländern, auf evolutionärem Wege aufgebaut werden. Wir müssen den Ziveijahresschekel einführen, damit der Wähler und sein Wahlrecht der richtige Ausdruck seiner Pflichterfüllung gegen die Idee sei. Wir müssen unsere Institute und Institutionen derartig aufbauen, daß sie die Leistungen der einzelnen Fraktionen richtig einschätzen. Nicht mechanische, rein numerische Maßstäbe, sondern Maßstäbe der Opferwilligkeit müssen angelegt werden. Beim Aufbau und bei der Stärkung der Organisation müssen wir auch das psychologische Moment der Alijah berücksichtigen. Da meine Redezeit abläuft, muß ich mich mit diesen grundsätzlichen Feststellungen begnügen und werde mich lediglich auf ein paar Erscheinungen im polnischen Zionismus beschränken: Präsident Sokolow macht uns zum Vorwurf, daß wir die zionistische Obrigkeit mit Prätentionen belastet haben, dagegen selbst zwischen „Eth-Liwnoth4k und „Al-Hamischmar4 keine Ordnung zu machen vermochten. Hierzu sei bemerkt, daß wir uns nur ein einziges Mal bei der Obrigkeit beschwert haben, als einer ihrer Repräsentanten ohne rechtes Einvernehmen mit unserem Zentralkomitee eine zionistische Angelegenheit regulierte, die auch von innerpolitischem Belange ist. Der große Kampf zwischen „Eth-Liwnoth" und Al-Hamischmar4', in dem wir um das Pathos der zionistischen Idee rangen, ist bereits seit Jahr und Tag zu Ende. Die kleine Gruppe der letzten Mohikaner der „Eth-Liwnoth", die noch besteht und hier am Kongreß von kaum zwei Delegierten repräsentiert wird, hat nur die Bedeutung einer historischen Reminiszenz. Schließlich sei an die Adresse von Dr. Schwarzbart gesagt, daß wir aufrichtige Einigungsrufe stets willkommen hießen. Nicht unsere Schuld ist es, daß der Weltverband, den Dr. Schwarzbart repräsentiert, ohne Welt geblieben ist. (LebJuifter Beifall bei den Delegierten der U^eltvereinigung Allgemeiner ZAonisten). DR. EMIL SCHMORAK {Weltverb. Allg. Zion., A.C. — spricht jüdisch): Ich spreche im Namen einer Gruppe, die in den letzten zwei Jahren sehr ernste Meinungsverschiedenheiten mit der Exekutive hatte. Die Redner des Weltverbandes hatten schon in der Sitzung des Aktionskomitees in Jerusalem Gelegenheit, ihre Kritik an den Leistungen der Exekutive in den letzten beiden Jahren zu formulieren. Die Exekutive ist mit unserer Einschätzung ihrer Arbeit nicht zufrieden, aber es wäre ein großer Fehler, wenn die zionistische öffentliche Meinung sich in dem Glauben wiegen wollte, daß das, was in den letzten beiden Jahren geleistet wurde, uns befriedigt. Wir halten es für unsere Pflicht, festzustellen, daß außer dem Fortschritt in der Alijah und der Konsolidierung der Finanzen die Exekutive fast auf allen Gebieten der zionistischen Arbeit eine passive Bilanz hat (Lachen links). Wir betrachten zunächst die außenpolitische Bilanz der Exekutive als passiv. Ebenso passiv ist aber auch die Bilanz der landwirtschaftlichen Kolonisation, der Wirtschaftspolitik überhaupt und des Zustandes