Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 249)
- Language
- German, English, Hebrew
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246 8. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte der Kongreß seine Aufgabe erfüllen soll, muß er wenigstens die Haupt- Postulate formulieren, die wir, die lebende Generation, auf unseren Schultern zu tragen haben. Ben-Gurion hat konkret zwei Aufgaben formuliert, die Aufgabe von Bodenerwerb und Alijah, die friedliche Eroberung des Landes und die Eroberung des Staates durch Konzentrierung von Millionen Juden im jüdischen Lande. Er hat die Aufgabe der Generation formuliert, wir haben die Wege festzustellen, die zur Verwirklichung dieser Aufgabe führen. Auf einen wichtigen Weg hat bereits Dr. Goldmann hinge wiesen, wenn er sagte, daß es unsere Aufgabe sei, in uns das Bewußtsein von „Bürgern des jüdischen Staates unterwegs'' zu erziehen. Da£ ist eine allgemeine Formulierung; ich will auf einige nähere Details eingehen. Als Bürger haben wir manches zu vermeiden und unsere Energie auf bestimmte Gebiete zu konzentrieren. Wenn wir eine staatsbürgerliche Verantwortung tragen wollen, müssen wir verstehen, daß wir uns in dieser historischen Zeit nicht den Luxus von großen, extremen Tendenzen erlauben können, die an sich vielleicht berechtigt sind, uns aber die Konzentration unserer Energien auf die Hauptfragen er schweren. Wir dürfen uns nicht den Luxus eines Kulturkampfes er lauben und auch nicht den Luxus eines unverantwortlichen, wilden Klassenkampfes, zu dem uns die extremen Flügel drängen. Ich ge höre nicht zu den Naiven, die glauben, ein Kulturkampf könne vermieden werden. Aber heute müssen wir ihn in gewissem Rahmen halten. Der extrem linke Flügel muß verstehen, daß wir gewisse traditionelle Formen nicht zerstören dürfen, in denen ein historischer und grandieser sozialer Inhalt steckt. Aber auch die extremen Rechten dürfen uns nicht in eine Situation drängen, die unsere Aufmerksamkeit von den Hauptaufgaben ablenkt und uns Konflikten aussetzt, die für un sere Generation nicht gesund sind. Wir alle können und sollen uns vereinigen in dem Willen, das zu schaffen, was Ben-Gurion „Chochmat Jisraeltk nannte und was ich in einem weiteren Sinne verstehe. Wenn Ben-Gurion eine mehr technische Chochmat Jisrael meinte, nämlich die geographische, die physische Erforschung unseres Landes, so ist das sehr wichtig. Aber nicht minder wichtig ist die Erforschung der Geologie des jüdischen Geistes, damit nicht in der zionistischen Bewegung, wie es in manchen Ländern der Fall ist, eine bedauerlich- Verflachung, jene schmerzliche Vereinfachung der Problematik sich breit mache. Und was den Klassenkampf anlangt, so muß für unsere Zeit genügen, wenn wir alle von links bis rechts erfüllt sind von dem Geiste sozialer Gerechtigkeit, wenn wir die Parqle befolgen, die uns HerzI gegeben hat: die weiße Fahne mit den sieben goldenen Sternen. Weiß, weil unser Streben rein ist, und sieben Sterne als Symbol des Siebenstundentages, der sozialen Gerechtigkeit. Daran haben wir zu denken und auch an die Worte Herzls, daß der Zionismus nicht nur die Lösung unserer nationalen jüdischen Frage bedeute, sondern die Lösung eines großen, sozialen Weltproblems. Wenn wir erfüllt sind von