Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 236)
- Language
- German, English, Hebrew
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Großmann 233 gebe, habt Ihr Angst. Ihr seid machtgierig geworden und wollt über uns eine Diktatur ausüben. Ich warne Euch. Ueber eine Frage herrscht in diesem Saale sicherlich keine Meinungsverschiedenheit, die Frage der Sicherheit in Palästina. Die ganze Welt befindet sich heute am Vorabend großer, stürmischer Ereignisse. Ich richte von dieser Stelle aus an die Exekutive die Anfrage, ob wir politisch, strategisch und ökonomisch dieser Lage vorbereitet gegenüberstehen. Ich behaupte, daß keine dieser Voraussetzungen zutrifft und daß wir bei Eintritt eines Ereignisses vollkommen schutzlos dastehen werden. Unsere Lebensmittelvorräte reichen keine drei Monate, die Bevölkerung wird den Ereignissen vollkommen desorganisiert gegenüberstehen. Wir sind kein Teil der bewaffneten Macht und haben mit England keinerlei Schutzabkommen. Ich benütze diese Kongreßtribüne — so, wie wir es im Jahre 1929 getan haben — und fordere die jüdische und zionistische Oeffentlichkeit auf, diesem Zustand der völligen Schutzlosigkeit in politischer, strategischer und wirtschaftlicher Hinsicht ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Wir sind umringt von arabischen Staaten, umgeben von bewaffneten Mächten, die mit den modernsten technischen Kriegsmitteln, Flugzeugen und Giftgasen, ausgerüstet sind, während wir über keinerlei Schutzmittel, weder Gasmasken,, noch andere Verteidigungsmittel verfügen. Ich bin überzeugt, daß die Zionistische Exekutive nicht im entferntesten daran gedacht hat, daß auch dies ein ganz gewaltiges Problem; für die 360.000 Juden Palästinas darstellt. Und noch eine Frage muß auf diesem Kongreß klar behandelt werden. Vor zwei Jahren hat man auf Befehl unserer obersten Konjgreßinstanzen die deutsche Judet/frage nicht berührt. Ihr, die Ihr diese Instanzen auch auf diesem Kongreß bildet, glaubtet, daß dieses Stillschweigen uns Nutzen bringen würde. Ja noch mehr: Ihr habt das Zorans] er übereinkommen mit Deutschland geschlossen und habt Euch eingebildet, daß dies Rettung für das jüdische Volk bedeutet, obzwar wir schon damals leidenschaftlich gegen diese Untergrabung der Moral ankämpften. Heute, nach zwei Jahren, sehen wir, daß die Brutalität und Grausamkeit gegen die deutschen Juden die Ereignisse vor zwei Jahren weit in den Schatten stellt. Dieser Kongreß hat die Pflicht, den Schmerzensschrei des jüdischen Volkes von seiner höchsten Tribüne aus vor der ganzen Welt ertönen zu lassen, und die verantwortlichen Instanzen werden verpflichtet sein, die Beschlüsse auszuführen, die dem Willen des jüdischen Volkes Ausdruck verleihen, und mit aller Macht die wirtschaftliche Isolierung und den schärfsten Boykott der blonden Bestie zu verwirklichen (Lebhafter Beifall bei der Judenstaatspartei). Unsere edlen, feinfühligen Herren von der Linken, denen es unangenehm war, diesen Kongreß in einem benachbarten Staat abzuhalten, damit ihnen der Anblick erspart bleibe, wie der oder jener mit Faschistengruß grüßt, dieselben Herren antichambrieren in den Vorzimmern Hitlerscher Institute und betreiben mit Hitlerwaren Handel. Das ist nicht nur gegenüber dem jüdischen Volke, sondern auch gegenüber Euren Brüdern von der II. Internationale ein Verbrechen. Und