Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 227)
- Language
- German, English, Hebrew
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224 7. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte das wird manchem unsympathisch sein, aber ich habe nicht die Pflicht, nur angenehme Dinge zu sagen, sondern meine Pflicht ist, die Dinge beim richtigen Namen zu nennen. Die Organisation durchlebt eine Krise, weil Parteienkampf und Parteienbaß ihre höchste Stufe erreicht haben. Es ist, gerade mit Rücksicht auf das hohe Niveau, auf dem*das Referat von Ben-Gurion stand, besser für uns zu wissen, daß etwas in unserer Bewegung nicht in Ordnung ist, und daß wir mit gemeinsamen Kräften den Ausweg zu ihrer Erneuerung suchen. Nicht aus Neigung zu Vorwürfen und zu Kritik bin ich zu dieser Bemerkung gezwungen, sondern tiefes Verantwortungsgefühl treibt mich dazu. Die Zionistische Organisation sollte einmal zum Symbol der Einheit des ganzen jüdischen Volkes werden, zum Laboratorium unserer neuen politischen raison d'etat. In ihr solllten. die Parteien zu einem Volk verschmelzen; heute aber stehen wir vor einem Zustand innerer Zersplitterung. Die Bewegung, die das jüdische Volk zur Einheit hätte führen sollen, bietet das Schauspiel des geraden Gegenteils von Einheit. Das legt uns allen eine große Verantwortung auf. Jenes große Experiment, das Dr. Weizmann in einer schweren Zeit aus dem Gefühl tiefer Verantwortung unternahm, die erweiterte Jewish Agency, die uns die Hoffnung geben sollte, auf einem Umweg die Kräfte des jüdischen Volkes um den Palästinaaufbau zu konzentrieren, dieses Experiment ist gescheitert. Vielleicht nicht ganz, aber vom Standpunkte jenec Hoffnungen, die wir vor sechs Jahren hatten, ist es gescheitert. Daher erhebt sich vor uns die Frage, welchen Weg wir wählen sollen, da sich dieser als nicht richtig erwiesen hat. Ferner: außerhalb der Zionistischen Organisation — und man mag sich zu dieser Erscheinung stellen, wie man will, — ist eine neue Organisation entstanden, eine Quelle von Unruhe und Anarchie in der zionistischen Bewegung, ein Beweis des Zerbröckelungsprozesses. Erlauben Sie mir ein starkes, aber von meinem Standpunkte aus begründetes Wort: die Schuld an diesem anarchistischen Zustand liegt nicht nur außerhalb der Zionistischen Organisation, sondern auch in der Taktik des Organisationsdepartements unserer Exekutive (Beifall rechts). Ich kann diesen Vorwurf voll verantworten. Wir stehen hier in loyalem Meinungs- und Ueberzeugungskampf. Das Organisationsdepartement der Exekutive stand meiner Meinung nach nicht auf der Höhe der Situation, in der sich die zionistische Bewegung und das jüdische Volk befinden. Wir sahen keine Propaganda, die von einem hohen Maß von Verantwortung und Einheitsgefühl getragen gewesen wäre. Die Taktik des Organisationsdepartements war fast die Taktik einer Partei, und sie ertrank in einem Meere von Bürokratie. Sie lebte sich in einer papierenen Politik formeller Disziplin aus, während wir den lauten Ruf unseres Innenministeriums nach einer Sammlung der Kräfte gebraucht hätten. Auch angesichts der Zersplitterung unserer Jugend hätte das Organisationsdepartement die politische und moralische Pflicht gehabt, die Kräfte zu einigen. Es führte jedoch eine Politik des laissez faire, laisscz aller, und nicht genug damit, es stellte sich auf den Standpunkt eines Auskämpfens und Durchkämpfens. Das war vielleicht zu anderen