Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 226)
- Language
- German, English, Hebrew
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Goldmann* Schwarzbart 223 Juden, die die Pflicht haben, Anschauungen von Privatleuten über die Situation des jüdischen Volkes anzuhören, sondern eine Versammlung von Delegierten des jüdischen Volkes, die ein Urteil über die Tätigkeit der Exekutive der stärksten Organisation dieses Volkes, der zionistischen Bewegung, abzugeben haben. Da stehen zwei Teile dieser großen Bewegung, von denen der eine die Pflicht hat und auch erfüllen will, in loyaler und freundschaftlicher Form ein Urteil darüber abzugeben, was der zweite Teil — die Exekutive — in den letzten zwei Jahren geleistet hat. Meine Pflicht hingegen als des ersten Redners des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, der zu dieser Exekutive in ruhiger und sachlicher Opposition und Kritik stand (Unruhe links), meine Pflicht ist es, auf die Momente hinzuweisen, die unserer Meinung nach durch die Exekutive nicht in gehörigem Maße berücksichtigt worden sind. Bei dem heutigen Kräfteverhältnis im Kongreß ist es natürlich viel leichter, sich hierher zu stellen und sich mit allem, was die Exekutive getan hat, einverstanden zu erklären, weil man so leichter den Applaus des Kongresses erzielt. Schwerer hingegen ist es., Kritik zu üben. Aber wir sind das Parlament d^s ganzen Volkes, und ich bin sicher, daß die gegenseitige Loyalität trotz des Kräfteverhältnisses auf diesem Kongreß dazu beitragen wird, daß sachliche Kritik mit jenem Ernst angehört wird, der dem Parlament der jüdischen Bewegung geziemt. Ben-Gurion hat bereits in seiner Rede unterstrichen, daß wir in einer für das ganze Volk schweren Zeit leben, besonders schwer durch die Lage unserer Brüder in Deutschland unter dem neuen Regime und infolge der Strömungen, die sich von dort über die ganze Welt verbreiten und die Beziehungen der Völker zum jüdischen Volke vergiften. In dieser Zeit hat sich der Kongreß zwar in erster Linie mit der Situation der Juden in Deutschland zu befassen, aber auch mit der Lage des ganzen Volkes. Der Druck dieser Situation lastet auf dem Kongreß; denn wir sind die Bewegung, die vom ersten Kongreß an in sich und auf sich die Verantwortung für das Los des ganzen l'dkes trägt. Dieses Moment verbindet uns alle, auf der Linken, auf der Rechten und im Zentrum, nötigt uns in dieser schweren Zeit, unsere Meinungsverschiedenheiten zu vergessen. Es stellt uns unter den gleichen Druck einer hydraulischen Presse und zwingt uns, die Situation der Bewegung zu betrachten. Unsere Verantwortung ist heute besonders groß. Ich komme zum ersten Moment der Kritik: obwohl die Bewegung zahlenmäßig gewachsen ist, obwohl wir uns freuen, daß nach dem Austritt der Revisionisten die Zahl der verkauften Schekalim eine Rekordhöhe erreicht und die dynamische Kraft der Zionistischen Organisation bewiesen hat, ist es doch meine Pflicht, zu unterstreichen^ daß die Zionistische Organisation eine schwere innere Krise durchlebt. Die große Zahl der Schekalim ist eine suggestive Kraft, ist das kosmetische Moment der Bewegung (Heiterkeit und Unruhe). Wir haben die Pflicht, den Grund der Krankheit unserer Bewegung bloßzulegen und uns von diesen Momenten Rechenschaft zu geben. Ich weiß sehr wohl,