Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 224)
- Language
- German, English, Hebrew
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Goldman?! 221 wo reale Interessen entstanden sind, diese Interessen über die großen nationalen Ziele die Oberhand gewinnen. Wenn es nicht gelingt, in diesem Stadium, da wir nicht mehr in der Theorie, sondern in der Wirklichkeit stehen, in diesem Stadium, in dem wir selbst mit der einen Million Schekalim und mit 50.000 bis 60.000 Immigranten jährlich noch sehr weit davon entfernt sind von dem, was Palästina in unsern Tagen sein kann, wenn es in dieser entscheidenden Phase der Verwirklichung nicht gelingt, diesen allgemeinen Zionismus, dieses Staatsbewußtsein im Volke primär werden zu lassen, dann, fürchte ich, werden wir das große Ziel verfehlen. Mit der Gefährdung dieses gemeinsamen Solidaritätsbewußtseins, mit dem Ueberhandnehmcn von Gruppeninteressen — von Privatinteressen spreche ich gar nicht — droht auch der idealistische Charakter der Bewegung verloren zu gehen. Glauben Sie nicht, meine Freunde von der Linken — und ich sage dies durchaus nicht polemisch —, daß allein durch das Wachstum der Gruppe, die wir die Linke nennen, dieser Schaden behoben werden kann. Ich bin der letzte, der Ihnen Ihr Wachstum mißgönnt; ich weiß, was für den Zionismus gewonnen wird, wenn Ihre Partei gewinnt, aber nicht einmal Sie können glauben, daß damit allein die Gefahr gebannt wird, von der ich sprach. Wenn hier im Kongreß 70 Prozent Linke säßen und daneben nur Vertreter anderer Gruppeninteressen, die als solche gewiß legitim sind, wäre es um den progressiven, idealistischen Charakter der Bewegung geschehen. Zwischen Ihnen und dem andern Flügel muß eine Gruppe unserer Art stehen. Und damit stehe ich schon bei der entscheidenden Forderung, die hier gestellt werden muß. Ich halte es für meine Pflicht, sie mit aller Energie zu unterstreichen: Wenn wir hier auseinandergehen, ohne daß es uns gelungen ist, jene Konzentration der zionistischen Kräfte in einer greifbaren, politisch realen Form herbeizuführen, dann hat, fürchte ich, dieser Kongreß einen großen Teil seiner historischen Aufgabe nicht erfüllt. Diese große Koalition, von der wir alle sprechen, deren Herbeiführung mit ungeheuren Schwierigkeiten, nicht so sehr sachlicher als psychologischer Natur, verknüpft ist, muß auf diesem Kongreß zustande kommen (Beifall). Die Akkumulation von Ressentiments und von gegenseitiger Befeindung der letzten zwei Jahre muß zurückgestellt werden, zwischen den sachlichen Gegensätzen muß es gelingen, für die nächsten Jahre gewisse Brücken zu bauen. Dies sage ich uns und unseren Bundesgenossen von der Linken, die wir gemeinsam die Majorität repräsentieren und hinter der jetzigen Exekutive stehen, und ich sage es der Minorität, die mehr Entgegenkommen verlangen darf, weil sie eben Minorität ist, die aber letzten Endes nicht vergessen darf, daß Majorität Majorität und Minorität Minorität ist (Beifäll). Die Minorität darf nicht glauben, in der großen Koalition ein Mittel gefunden zu haben, mit dem sie jede Forderung erzwingen kann. Wenn ich für eine große Koalition hier eintrete, so tue ich dies sicherlich nicht, um etwa zu sagen, daß die fetzige Exekutive eine schlechte war. Ich eigne mich gewiß nicht zum Lobredner, aber ich