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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1937-01-01 · 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935 · p. Seite 220

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
Date
1937-01-01
Page
Seite 220 (sequence 223)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476292--9264-3485415
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220 7- Kongreß-Sitzung: Generaldebatte daß, wie immer man den Zionismus konzipiert, der Kampf um das Recht unserer Existenz auch in jenen Ländern, in denen wir nicht die Aspiration haben, eine Konzentration unserer Kultur herbeizuführen, einen wesentlichen Teil des Programms des Zionismus darstellt. Wir haben der Welt noch mehr bewiesen. Wir beginnen nicht nur die Galuthpsychologie abzustreifen, sondern wir haben eine viel schwierigere Aufgabe auf uns genommen: ein Gemeinwesen aufzubauen und aus einem wandernden Galuthvolke ein konstruktives Volk zu werden. Bei aller Kritik unserer Mängel — Ussischkin hat sie mit einer Schärfe gegeißelt, die ich als jüngerem Zionist nicht wagen dürfte — ist es wohl kein Selbstlob, wenn wir uns das Recht nehmet, vor uns und vor der Geschichte zu sagen, daß das, was wir in Palästina in einec lächerlich kurzen Zeit trotz aller Schwierigkeiten geleistet haben, sich ruhig sehen lassen kann in der Geschichte menschlicher Kolonisation und Zivilisation. Es ist ein neuer Beweis der unerschöpflichen Vitalität dieses oft halbtot gesagten und oft auch von sich selbst totgeglaubten jüdischen Volkes. All dies haben wir bewiesen; aber die entscheiderde historische Probe haben wir noch nicht bestanden. Wir haben gezeigt, daß wir Menschen nach Palästina bringen, Industrien entwickeln, Juden zu Landwirten machen, Häuser bauen können, aber wir haben noch nicht den Beweis erbracht, daß wir imstande sind, ein Gemeinwesen aufzubauen, zu einem Staatsvolk zu werden, welches das gemeinsame Interesse den Gruppeninteressen voranstellt. Sie kennen die Lage im Lande, die der Präsident dieses Kongresses, vielleicht etwas überscharf formuliert, den „latenten Bürgerkrieg" genannt hat. Es ist kein Wunder, daß uns dies noch nicht gelungen ist, und ich klage auch niemanden an; denn wir vollführen ja das Münchhausensche Experiment, uns selbst am Schopf aus dem Sumpf zhi ziehen, als Galuthvolk ein Land aufzubauen, das man eigentlich erst bauen kann, wenn man kein Galuthvolk mehr ist. Aber wissen müssen wir, daß wir diese Probe noch nicht bestanden haben. Und da keiner Tragödie die Farce fehlen darf, und jedem Unglück die Burleske folgt, genießen wir jetzt das Schauspiel einer Partei, die nicht müde wird, vom Judenstaat zu schreien, und es doch über sich bringt, diesen Judenstaaf unterwegs, lange noch bevor wir ihn haben, zerbrechen zu wollen. Es ist leider nicht die Zeit, und die Generaldebatte ist mir zu wichtig, als daß ich mich bei dieser Burleske lange aufhalten wollte. Aber ich habe das Recht, in einer solchen Situation, in der sich Palästina befindet, und in einer solchen Situation der zionistischen Bewegung, da sich ein Teil von ihr zu solchen Verstiegenheiten hinreißen läßt, zu sagen: wir haben vieles geleistet, aber die Probe, wie wir ein Staatsvolk' werden können, haben wir noch nicht erbracht (Beifall). Wenn dieser allgemeine Zionismus, den wir erneuern wollen, einen Sinn haben soll, so liegt er darin, daß wir dieses Solidaritätsgefühl} wieder beleben wollen in einer Zeit, in der dies viel schwerer ist als früher, da der Zionismus noch eine Idylle, seine Ziele platonischer Natur waren. Es ist kein Wunder, daß in diesem Galuthvolk, das zweitausend Jahre lang nicht wußte, was nationale Solidarität ist, jetzt,

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