Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 218)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sprinzak 215 Sie unerwünscht sind, glauben Sie wirklich, daß Sie mit Strafen, mit Sanktionen die Liebe zur Thora, die Erfüllung der Gebote, die Beobachtung des Sabbath vertiefen werden? Massen von Juden kehren jetzt ins Land zurück. Tun Sie doch, was zu Um ist, um auf diese Massen Einfluß auszuüben! Erziehen Sie die Massen zur Erfüllung •der Gebote! Vertiefen Sie Ihre Erziehungsarbeit, aber nicht durch Verleumdung und Drohungen, sondern durch Ihren reinen Glauben, durch eigene Verwirklichung, gutes Beispiel, durch Reinheit! Dann wird es eine Debatte geben, einen Glaubens- und Meinungskampf, und siegen wird in diesem Kampfe der Gläubige, der Mensch der Verwirklichung. Bereiten Sie so das Volk vor! Vorbereitung des jüdischen Volkes ist jedoch nicht Aufgabe des Misrachi allein. Auf diesem Kongreß, zu dem wir uns erneut versammelt haben, müssen wir meines Erachtens erneut über die Erziehung des Volkes zum Zionismus als die zentrale Aufgabe der Stunde sprechen. Wir stehen heute in der Epoche einer Masseneimvanderwig. Das Volk bewegt sich aus allen Ländern der Galuth: aus dem Jemen und aus Nürnberg, aus Buchara und Szigeth in Transsylvanien, von allen Enden der Welt und aus allen Schichten kommen sie. Der ehemalige Justizrat aus Berlin und der Lastträger von den Straßen Warschaus und Salonikis, aus allen Kreisen und Schichten, gehetzt und verfolgt, hungrig und ausgestoßen, ziehen sie alle aus der Diaspora m das Land des Erfolges, nach Erez Israel. Das Volk kommt jetzt in seinen breiten Schichten. Viele in ihm haben das alte Lehrhaus längst verlassen, die Schwelle des neuen Lehrhauses des Zionismus noch nicht betreten: den Rambam haben sie nicht kennen gelernt, den „Judenstaat44 und Achad Haam nicht gelesen, von Borochow und Gordon niemals etwas gehört. Alle diese Juden müssen nach Palästina gehen, weil hinter ihnen alle Brücken verbrannt sind Diese Massen gehen nach Palästina, wie sie sind, mit ihrer ganzen Diasporanatur, mit ihren Sprachen, ihren Gewohnheiten und Neigungen, mit all dem Schlechten, das sie noch gestern in der Galuth erlebt. Sie gehen gar nicht nach Palästina, sie laufen, sie rennen, weil sie verfolgt werden. Diese Verfolgten aus der Galuth kommen aus Palästina und können dorthin all das verpflanzen, was wir vernichten, verbrennen, abstreifen wollten, um die Erlösung des Volkes zu vollbringen. Wir stehen heute vor einer schweren, erschütternden Aufgabe. Die Tore Palästinas müssen weit offen sein; wir müssen statt 60.000 Menschen 100.000 jährlich nach Palästina bringen. Aber diese Hunderttausende müssen wir darauf vorbereiten. Wer aber bereitet sie darauf vor? Wer organisiert sie? Wer erklärt ihnen die Wege und Wünsche des Zionismus? Es ist klar, daß das die Aufgabe der Ziemistischen Orga?tnsation ist. Gibt es in Wirklichkeit noch eine Zionistische Organisation? Das Volk wird verfolgt, das Volk versinkt im Elend und steht vor vollständiger Vernichtung. Die Zionistischen Organisationen aber in den Ländern und Städten, die verschiedenen zionistischen Parteien befinden sich in einem, Zustande ununterbrochener gegenseitiger Bekämpfung. Unser Werk in Palästina geht seiner Verwirklichung entgegen, unser Zionismus aber