Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 203)
- Language
- German, English, Hebrew
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200 6, Kongreß-Sitzung: Keren Hajessod-Referat dem Vorsitzenden gab, nur eine halbe Stunde zu sprechen, nicht gehalten habe. Ich wollte jedoch mit meiner Rede bewirken, daß Ihr Herz und Hirn auf das Problem Erez Israel konzentriert. Hier sitzen verschiedene Juden, Juden, die ohne Zweifel am Jörn Kippur in die Synagoge gehen und „AI Cheth44 schlagen werden, und andere, die mit ihren Gedanken allein bleiben. Ich fordere von Euch allen, daß Ihr Euch an die Brust schlagt auch für die Sünde, die wir Erea Israel gegenüber begangen haben dadurch, daß wir seine Erlösung bis heute vernachlässigten (Lebhafter, anhaltender Beifall). VORS. PRÄS. DR. WEIZMANN: Rabbi Silver und andere Delegierte, die während der Rede Ussischkins vergeblich versucht haben, den Saal zu betreten, haben sich darüber beschwert, daß ich die Saaltüren während des Referates habe schließen lassen. Ich bitte sie um Entschuldigung, ich hatte jedoch nur zwei Alternativen: entweder eine unordentliche Sitzung und fortwährende Unterbrechungen des Redners zu haben, oder zu riskieren, daß einige Delegierte nicht in den Saal hereinkommen. Ich mußte die zweite Alternative wählen. Ich werde an dieser Regelung mit Rücksicht auf die Würde des Kongresses auch in Zukunft festhalten. Das Wort hat nunmehr der Direktor des Keren Hajessod, Herr Leib Jaffe. REFERAT ÜBER FÜNFZEHN JAHRE KEREN HAJESSOD. LEIB JAFFE (geschäftsführender Direktor des Keren Hajessod, mit lebhaftem Beifall begrüßt — spricht hebräisch): Fünfzehn Jahre sind verflossen, seit der Keren Hajessod gegründet wurde — wahrlich ein kurzer Zeitraum im Leben eines Volkes und besonders im Leben unseres Volkes. In diesen wenigen Jahren drängten sich gleichsam die Not und Prüfungen von Generationen zusammen. In dem vor 15 Jahren veröffentlichten ersten Aufruf des Keren Hajessod hieß es: „Das jüdische Volk geht heute durch Höllenqualen hindurch, wie sie Generationen seit der Zerstörung des zweiten Tempels nicht erlebt haben. An der Schwelle der nationalen Wiedergeburt steht die Judenheit verwundet und zerbrochen vor der gewaltigen Aufgabe des Aufbaues und der Wiederauferstehung.4' DIE NOT DER JUDEN. Seitdem, hat sich nichts geändert. Das Unglück ist nur noch größer geworden. Die Schatten des Mittelalters ziehen wieder vor uns auf. Was wir erlebt haben und. heute noch erleben, war selbst in Angstträumen nicht vorstelil^ar. Die Emanzipation in den Ländern, wo sie fest verwurzelt und von ewigem Bestände zu sein schien, ist wieder aufgehoben. Der Traum einer jüdischen Autonomie ist wie Rauch verflogen. Das russische Judentum ist von uns abgetrennt und geht1 national dem Untergange entgegen. Judenheiten, die die stärksten und lebendigsten Teile des Volkes bildeten, sind geographisch, sprachlich