Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 194)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ussischkin 191 dem der Pica, dem privaten Boden und sogar dem der Spekulanten — hat sich dagegen nur von 5 Prozent auf 6\/2 Prozent erhöbt, d. h. um 1V2 Prozent. Wenn man diese beiden Zahlen betrachtet — und jeder Jude, der an Palästina interessiert ist, sollte sie an jede Wand heften und ständig auf sie schauen —: 27 Prozent Juden auf 6V2 Prozent Boden — um 121/« Prozent ist die Zahl der Juden in den letzten fünf Jahren gestiegen und um j1/., Prozent der Boden —, dann ist das für uns ein Menetekel. Ich finde bei mir kein Gefühl der Freude über all die großen, schönen und wichtigen Dinge, die ich im Lande und auch in der Diaspora zum Wohle des Landes geschehen sehe. Noch etwas anderes nruß jedoch in Betracht gezogen werden. Seit das Schicksal dem Aufbau des Landes günstig ist, wächst von Jahr zu Jahr das Streben des Volkes, in das Land zurückzukehren und es aufzubauen. Mag es durch unsere Arbeit wachsen oder durch die Judenfeinde, die nicht ruhen noch rasten, der Grund ist gleichgültig, die Lage ist so, daß wir für die Zukunft des Aufbaues nichts zu fürchten haben. Wenn wir mjehr Kräfte haben, dann wächst der Aufbau des Landes; Industrie, Handel, Schulen, Krankenhäuser, Universitäten, alles, alles nim.mt zu. Nichts stört dieses Wachstum, doch zugleich kämpft die Zeit mit all ihrer furchtbaren Grausamkeit gegen das Wichtigste: gegen die Möglichkeit, die Grundlage für unseren ganzen Bau zu finden, den Boden unter den Füßen. Dem jüdischen Volke, das in der ganzen Welt des Bodens beraubt ist, folgt seine Tragik bis in das Land seiner Väter nach; es ist die gleiche Tragödie unseres Volkes wie in der ganzen Welt, wie in allen Ländern, mag es in Ruhe leben oder nicht, in Ländern, wo die Juden vollberechtigte Bürger sind und in solchen, in denen sie verfolgt werden — die Tragödie, daß den ]uden der Boden unter den Füßen genommen ist. Das ist die entscheidende Tatsache, die alles bestimmt, all unsere Hoffnungen und unsere Zukunft, für die die Großen unseres Volkes von dem Tage an gekämpft, da sie die Rückkehr der Söhne nach dem Lande der Väter verlangten. Warum wird unsere Zukunft von Tag zu Tag schwieriger? Man braucht kein erfahrener Politiker zu sein, keine Bücher über die Kolonisation bei anderen Völkern zu lesen, braucht nichts vom Aufbau zu verstehen, man braucht nur eines zu wissen: daß sich das Land in schnellstem Tempo entwickelt, zu 90 Prozent durch uns und zu 10 Prozent durch die englische Regierung. In dem Maße jedoch, wie sich das Land entwickelt, in dem Maße, wie sich der Einwohner dort wohlfühlt und Wurzel schlägt, wie es Krankenhäuser, Schulen, Straßen, Wohnungen gibt und die Steuern immer kleiner werden, in demselben Maße wird der Wille, den Boden zu verkaufen und anderen zu überlassen, von *Cag zu üag kleiner. Das sehen wir im Lande von Tag zu Tag. Vor 54 Jahren nahm ich an einer Versammlung junger Menschen in Moskau teil, das Thema lautete: Auszug aus Rußland — wohin? Nach Palästina oder nach Amerika, Bilu oder Weltbürger? Damals war das Hauptargument für Palästina bei jenen, die sich Realisten nannten — neben allen nationalen, sentimentalen, historischen, religiösen und anderen Grün-