Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 188)
- Language
- German, English, Hebrew
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Szold 185 Schaft. Ich appelliere an die religiösen Kreise, daß sie sich mit dieser Frage ernstlich beschäftigen; sie haben da Gelegenheit, ein großes Werk zu vollbringen. Im Augenblick besteht keine Möglichkeit, religiöse Kwuzoth für unsere Zwecke zu schaffen. Es muß daher eine Reihe geschlossener Institutionen nach angemessenem Muster errichtet werden. In der letzten Zeit ist es uns auch gelungen, die Moschawim in den Kreis unserer Aufgaben einzubeziehen. Bis jetzt fanden die Kinder ihre Heimat entweder in Kwuzoth oder ie geschlossenen Institutionen, nun werden sie auch in Moschawim kommen. Dadurch erschließt sich ein neuer Kreis von Aufgaben und Lösungen. DIE JUGEND IN DEN KWUZOTH. Ich möchte Ihnen erzählen, wie es in den Kwuzoth zugeht, wie sich diese Kwuzoth, die doch schließlich keine Erziehungsinstitutionen sind, mit tiefstem Verständnis zu dieser Erziehungsarbeit stellen. Ich möchte, daß Sie einmal einer Sitzung des Chewer Haowdim beiwohnen könnten. Dieser Chewer Haowdim besteht aus den Führern, die aus Deutschland mitgekommen sind, aus den Lehrern in der Kwuzah und aus den Hausmüttern, die sich mit der Hygiene und mit den seelischen Erlebnissen des jungen Volkes beschäftigen, sowie aus zwei oder drei Vertretern der Kwuzah an und für sich. Diese Gruppen sind durchdrungen von der Größe ihrer Aufgabe, alle Probleme werden sorgfältig von ihnen geprüft und mit feinstem Verständnis erwogen. Man darf nicht vergessen, daß es bei Kindern zwischen 15 und 17 Jahren sehr schwere seelische Probleme gibt, besonders bei Kindern, die ihre Eltern verlassen haben und in ein Land kommen, dessen Sprache sie nicht kennen. Es gibt da viele Schwierigkeiten, aber ich habe noch in keinem Falle Ungeduld wahrnehmen können. Es herrscht ein Feingefühl sondergleichen. Die pädagogischen Fragen werden mit einem Verständnis behandelt, als ob diese Leute Experten wären. Ich wollte, Sie könnten sehen, mit welcher Sorgfalt die Klassen eingeteilt werden. Und es ist oft notwendig, bei zwanzig Kindern vier oder sechs Klassen einzurichten. Die Kinder kommen meist ohne Kenntnis der Sprache, oft ohne Kenntnis des Landes und der alten Literatur des jüdischen Volkes, sie kennen manchmal nicht einmal seine Geschichte; von unserem Tenach gar nicht zu reden. Das muß alles rasch beigebracht: werden, und es wird auch rasch beigebracht. Sie würden über die Zeitungen erstaunt sein, welche die Jugend herausgibt, über die Besprechungen, die schon nach Verlauf der ersten Monate hebräisch geführt werden. Der Gebrauch der hebräischen Sprache wächst in staunenswerter Weise. Es ist fabelhaft — um das beliebte Wort der Deutschen zu gebrauchen — mit welcher Raschheit sich die Kinder in die neue Wirklichkeit einleben. Und über die Arbeitslust und die Fähigkeiten unserer deutschen Jugendlichen herrscht nur eine Meinung — durchwegs werden sie dafür bewundert und gelobt. DIE ERZIEHUNG DER KINDER. Aber auch die Kwuzoth gewinnen. Wir lassen keine Gruppe in eine