Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 181)
- Language
- German, English, Hebrew
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178 5- Kongreß-Sitzung: Referat über 25 Jahre Palästinaarbeit sitz von Dr. Weizmann errichtete Zentralstelle für die Ansiedlung deutscher Juden hat ihre Arbeit im Oktober 1933 begonnen. Treu meinem Grundsatz, in Palästina nicht bürokratisch, sondern in engster Fühlung mit den zu betreuenden Menschen zu arbeiten, habe ich die Arbeit der Zentralstelle mit und zum Teil durch die Vereinigung deutscher Einwanderer, die Hitachdut Olef Germania, geführt und im Einvernehmen mit einem von ihr aus den besten Kennern der Verhältnisse ernannten Beirat. Sie ist dadurch dauernd im engsten Kontakt mit den deutschen Einwanderern geblieben und verfügte durch die Mitarbeit von Dr. Landauer und Dr. Senator auch über eine gründliche Kenntnis der Verhältnisse in Deutschland. Aus dem ausführlichen Bericht der Zentralstelle, der Ihnen aus der Feder von Dr. Landauer vorliegt, können Sie alle Einzelheiten über ihre vielgestaltige Arbeit ersehen. Ich freue mich, sagen zu können, daß die deutsche Einwanderung, die wie eine Lawine unerwartet hereinbrach, sich in Palästina viel leichter und besser „eingeordnet" hat — um dies beliebte Wort zu gebrauchen — als alle früheren großen Einwanderungen. Natürlich kann bei einer solchen großen Einwanderung nicht alles glatt gehen, und besonders für die seelischen Nöte vieler Einwanderer, die aus ihrem vertrauten Milieu und Beruf herausgerissen und in ein fremdes Milieu hineingeworfen sind, gäbt es keine Hilfe von außr.n. Hier kann nur der Einwanderer durch volle Hingabe an das neue Leben sich selbst helfen. DIE ÜBERFÜHRUNG VON JUGENDLICHEN. Die Ueberführung von mehr als 700 Jugendlichen aus Deutschland nach Palästina ist über alle Erwartung hinaus geglückt. Ich kann sagen, daß ich während meiner langen Tätigkeit in Palästina selten so erhebende Momente erlebt habe wie bei meinem Zusammentreffen mit diesen Kindern in Palästina. Der Junge in Dagania, der mir auf meine Frage, wie es ihm hier gefalle, mit glänzenden Augen und aus tiefstem Inneren antwortete: „Fabelhaft", wird mir immer im Gedächtnis bleiben. Hätte unsere ganze Arbeit in Palästina nur dieses eine Resultat gehabt, Hunderte von Kindern aus drohender seelischer Verkrüppelung in ein freies Leben auf jüdischem Boden hinüberzuretten, so hätten wir auch hierfür schon „dajenu" sagen können (Lebhafter Beifdll), Der Erfolg der Uebersicdlung der Jugendlichen war möglich durch das Verständnis und die Bereitschaft der landwirtschaftlichen Kwuzoth und Kibbuzim, dieser Jugend ihr Bestes an Zuneigung und erzieherischer Pflege zu geben, durch die beispiellose Hingabe, mit der Frau Henrietta Szold sich diesem Werke widmete, und durch dio Mitarbeit von Dr. Landauer, Dr. Senator und der Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe in Berlin. Sie alle haben sich durch ihre Arbeit ein unvergeßliches Verdienst um die jüdische Jugend in Deutschland und um Palästina erworben. Wichtig war auch, daß die Wizo in diesem Falle, wie überhaupt bei landwirtschaftlicher Ausbildung von Mädchen, verständnisvoll mitgeholfen hat.