Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 172)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3476254-3476292--9213-3485364- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ruppin 169 Versuche herangehen sollten, dieses Oedland nutzbar zu machen. Aber wir haben eben nicht nur wirtschaftliche, sondern auch nationale Zwecke, und diese erheischen, daß wir nichts unversucht lassen, um die AufnaJimefähigkeit Palästinas zu vergrößern. Es wird sich hierbei in der Hauptsache entweder darum handeln, Wasser dorthin zu bringen, wo es zur Zeit nicht ist, sei es aus tiefen Schichten des Untergrundes, sei es durch Zuleitung von weit her, sei es durch Aufspeicherung der Winterregen. Wir müssen versuchen, wie einst Moses, Wasser aus den Uelsen zu schlagen und die Wüste in Fnichtgärten zu verwandeln. Wir können heute hierüber mit etwas größerer Zuversicht sprechen als noch vor einigen Jahren, weil wir inzwischen in Bezirken wie im Emek und in Untergaliläa, die bisher als wasserarm! galten, in den tieferen Bodenschichten große Wassermengen gefunden haben und weil uns in der geophysischen Untersuchungsmethode ein neues Mittel zur Aufspürung von Wasser zur Verfügung steht, ganz abgesehen davon, daß auch die Technik der Bohrung fortgeschritten ist und Sachverständige aus anderen Ländern wertvolle Erfahrungen im Wasserbau nach Palästina gebracht haben. Aus dem Bericht der landwirtschaftlichen Abteilung können Sie im einzelnen den Stand der Wassersuche in unseren Siedlungsgebieten kennen lernen. Ich habe mich im letzten Jahre mit diesen Fragen eingehend beschäftigt und glaube, daß die Zeit gekommen ist, mit umfassenden wissenschaftlichen Untersuchungen auch in anderen Teilen des Landes zu beginnen und dafür eine besondere Wasser-Forschungsstelle zu errichten, die nach amerikanischem Vorbild der landwirtschaftlichen Versuchsstation angegliedert werden soll. Ich hoffe, Sie werden die hierdurch erwachsenden Ausgaben freudig in das nächste Budget einstellen — denn es dreht sich hierbei um eine Sache, die für unsere ganze Zukunft von höchster Bedeutung werden kann. Die Jewish Agency hat durch die Abteilung für die Ansiedlung deutscher Juden im vergangenen Jahre bereits den Grund für eine Bewässerungsgesellschaft gelegt, welche die Ausführung von Bewässerungsanlagen auf geschäftlicher Basis übernehmen soll, und hat die Absicht, diese Gesellschaft weiter auszubauen. Bevor ich meine Betrachtungen über die Landwirtschaft schließe, will ich noch mit einigen Worten auf die Hope-Simpson-Legende eingehen, die für uns von verhängnisvollster Wirkung hätte werden können. Sie erinnern sich, daß Sir Hope-Simpson in seinem Bericht an die Mandatsregierung auf Grund einer Angabe im Johnson-Crosbie- Bericht, daß 29 Prozent der Araber in den Dörfern keinen Boden besitzen, diese 29 Prozent einfach als „landless" bezeichnete und mit der Zweideutigkeit dieses Ausdruckes den Schluß nahelegte, daß diese Araber nicht nur kein Land zu Eigentum, sondern auch kein Land zur Bewirtschaftung haben und daß deshalb für neue jüdische Siedler gewiß kein Boden mehr verfügbar sei. In Wirklichkeit bezog sich die Angabe im Johnson-Crosbie-Bericht auf die Pächter, die ihren Boden von arabischen Großgrundbesitzern in Pacht haben. Glücklicherweise gelang es uns, diesen unverzeihlichen Irrtum — um kein härteres Wort zu gebrauchen — restlos aufzuklären. Sie wissen, daß die eng-