Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1937-01-01 · 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935 · p. Seite 161

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
Date
1937-01-01
Page
Seite 161 (sequence 164)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3476254-3476292--9205-3485356
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ruppin 161 •Wissenschaft gar nicht berücksichtigt. Hier mußte man in den meisten Fällen neue Wege ausfindig machen. Eine Frage, die mich während meiner Reise bosondors interessierte, war diejenige der Lebensfähigkeit der Kwuzoth. Daß die Kwuzoth in den ersten schwierigen Jahren der Landokkupation eino passondo Wirtschaftsorganisation darstellen, schien mir plausibol, ich hegte aber Zweifel, ob sie sich zu oinor dauernden Organisation der Landwirtschaft gestalten könnten. Meine Beobachtungen haben mich überzeugt, daß zunächst die Kwuzoth ihre Lebensfähigkeit beibehalten haben und daß ihre Wirtschaft gut geführt wird. Dank der Möglichkeit der Arbeitsteilung steht an der Spitze jedos Zweiges ein gediegener Fachmann. Die Kwuzoth sparen mit ihren Arbeitskräften und deswegen sind sie geneigt, die Arbeit zu mechanisieren. Die Grapefruit-Pflanzungen werden von Anfang an so angelegt, daß sie mechanisch mit Traktoren bearbeitet werden können. Die Getreidefelder worden mit Traktoren bestellt und mit Mähdreschern goerntet. Diese Mechanisierung dor landwirtschaftlichen Arbeiten muß den Kwuzoth als ein großes Verdienst angerechnet werden; denn die Hebung der Produktivität jüdischor Arbeit auf dem Wege der Mechanisierung ist das beste Mittel, die teure jüdische Arbeit vor der Konkurrenz der billigen arabischen Arboit zu schützen. Endlich sind die Kwuzoth im Augenblicke, wenn infolge der nouon Wasserfundo das Land im Emek neu verteilt werden muß, besonders pausende WirfcschaftBorganisrwtionen, weil sie niemals mehr Bodon, als sio mit oigonon Kräften bearbeiten können, beanspruchen. Die Kwuzoth, die immer neue Mitglieder aufnehmen, müssen auch als landwirtschaftliche Lehranstalten für SIrwachseno und als Kolonisationsmittelpunkte gewertet werden. Damit möchte ich aber keine Prophezeiung über die Zukunft dor Kwuzoth laussprechen. Diese ist von der seelischen Stimmung ihrer Mitglieder im höchstem Maße abhängig, und diese Stimmungen wechseln mit dorn Wechsel der äußeren Lebensbedingungen. Gerado der wirtschaftliche Aufschwung des Lande» vermag die Kwuzoth vor große Prüfungen zu stellen. Die Aufgabe der Erforschung des inneren Lebens der Kwuzoth konnte ich mir aber zur Zeit meiner kurzen Reise nicht stellen. Bei der heutigen Sachlage haben die Kolonisationsinitor keine Veranlassung, die eino oder die andere Wirtschaftsform zu bevorzugen. Beide Organisationaformen stehen vor den Augen der neuen Siedler und wolche sio wählen — ist ihre Sache. Wir haben hier mit Imponderabilien zu tun, über die keine aphoristischen Schlüsse, die auf rein wirtschaftlichen Erwägungen fußen, gemacht werden können." Das ist die Ansicht eines Mannes, der infolge seiner Kenntnis der Juden die besonderen Erfordernisse jüdischer Kolonisation würdigen kann. Sie deckt sich durchaus mit meiner eigenen Ansicht. c) Kritik wegen verspäteten Abschlusses von Verträgen. Ein anderer Vorwurf gegen unsere Kolonisation war der, daß wir mit den Siedlern keine Verträge abgeschlossen und keine Rückzahlungen bekommen hätten. Besonders Sir John Campbell, einer der Experten der Palestine Survey Commission, hat diesen Mangel gerügt. Es hat sich inzwischen herausgestellt, daß in der griechischen Kolonisation, an deren Spitze Sir John Campbell stand, zwar Verträge abgeschlossen, aber bis zum heutigen Tage keine nennenswerten Zahlungen geleistet worden sind und daß die Verträge nicht viel mehr als ein wertloses Stück Papier sind. Wir dagegen haben mit Verträgen gewartet, bis wir der Wirklichkeit entnehmen konnten, welche Zahlungen für die Siedler wirtschaftlich tragbar waren, und,als wir hierüber genügende Erfahrungen gesammelt hatten, schlössen wir mit 11

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.