Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 163)
- Language
- German, English, Hebrew
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160 5- Kongreß-Sitzung: Referat über 25 Jahre Palästinaarbeü a) Kritik der gemischten Wirtschaft. Wir führten in unseren Siedlungen die gemischte Wirtschaft ein. Wir wollten dadurch die Gefahr der Monokultur vermeiden, wir wollten ferner, daß die Siedler mit ihren Produkten in erster Linie Palästina selbst versorgen und nicht von Exportmärkten abhängig bleiben. Es ist ein besonderes Verdienst des Leiters unserer Versuchsstation, Herrn lzhak IPilkansky, daß er seit 25 Jahren für die femischte Wirtschaft eingetreten und an ihrer Ausgestaltung und Veresserung unermüdlich gearbeitet hat. Bis in die letzten Jahre hinein, insbesondere in der Zeit der guten Konjunktur für Orangen, ist die gemischte Wirtschaft angegriffen worden, weil sie in ihrer Rentabilität weit hinter den hohen Einnahmen der Orangenpflanzer zurückblieb. Noch im Jahre 1932 habe ich zur Abwehr dieser Angriffe eine Broschüre „Bauern und Pflanzer" schreiben müssen. Und heute? — Heute gibt es in ganz Palästina kaum einen Menschen, der nicht zugibt, daß wir Recht behalten haben, als wir es ablehnten, eine Konjunktur-Kolonisation zu treiben und statt dessen eine vielseitige Wirtschaft errichteten. h) Kritik der Kwuzah. Wir schufen eine Form der Siedlung, die Kwuzah, weil wir aus den Bedingungen unserer Arbeit heraus die Erfahrung gewannen, daß viele unserer Siedler nur in der Form der Gruppensiedlung zur Landwirtschaft gebracht werden können und nur in dieser Gemeinschaft das Maximum ihrer Energie hergeben. Eine ganze Bibliothek ist gegen diese Siedlungsform geschrieben worden. Die Experten der Joint Palestine Survey Commissiofi, die im Jahre 1927 Palästina besuchten, kommen in ihrem Bericht zu dem Schluß, daß die Kwuzah als Siedlungsform zu verwerfen ist und daß keine neuen Kwuzoth gegründet werden dürfen. Heute ist es mit dieser Kritik still geworden; auch bei den schärfsten Gegnern der Kwuzah hat sich die Ueberzeugung durchgesetzt, daß die Kwuzah in dem gegenwärtigen Stadium unserer Kolonisation eine der wichtigsten und nützlichsten Errungenschaften unserer Arbeit ist. Ich zitiere Ihnen ein paar Sätze aus einem Brief, den ich vor einigen Wochen von dem bekannten Agrarwissenschaftler Professor B. Brutzkus bekommen habe, der seit mehreren Jahrzehnten mit jüdischer Kolonisation in vielen Ländern befaßt war und vor kurzem an die Universität Jerusalem berufen wurde. Professor Brutzkus schreibt mir nach seinem ersten Besuch in unseren Emek-Siedlungen: „Schon der allgemeine Anblick dieses Tales, das fast ausschließlich mit jüdischen Siedlungen bedeckt ist, seinen blühenden Fluren und Gärten — ist bewundernswert. Ich kannte sehr gut aus eigener Anschauung die zahlreichen jüdischen Siodlungen Rußlands in der Vorkriegszeit, aber ein so großzügiges Bild der jüdischen Landwirtschaft habe ich in meinem Loben noch nie gesehen. Die genauere Betrachtung der Landwirtschaft hat mich überzeugt, daß sie vorzüglich geführt wird. Sie kann den Vergleich mit der Landwirtschaft der fortgeschrittensten Lander in Europa mit Ehre aushalten. Dabei ist die jüdische Landwirtschaft noch sehr jung, und sie mußte sich unter ganz eigentümlichen natürlichen Bedingungen entwickeln, die die landwirtschaftliche