Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 153)
- Language
- German, English, Hebrew
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150 4- Kongreß-Sitzung: Totenfeier Pflichterfüllung. Jedes jüdisch-nationale Bestreben förderte er eifrig. Fünfzig Jahre war er in seinem reichen, vielfältigen Wirkungskreis eine Stütze für jede gute jüdische Sache. Sein gutes Herz, seine Opfer- Bereitschaft, seine starke Initiative errangen ihm die Achtung und den Dank aller, die ihm nahe standen. Im Besitze reicher Kenntnisse auf dem Gebiete der Wirtschaft betrachtete er es als seine Lebensaufgabe, jedem beizustehen, der seiner Hilfe bedurfte. Diese Eigenschaften waren auch in seiner zionistischen Arbeit zu spüren, sie machten ihn zu einem der ersten Pioniere, die in Palästina Geld investierten, nicht um des Gewinnes willen, sondern um die Arbeits¬ und Produktionsmöglichkeiten des Landes zu erweitern, ohne der Verluste zu achten, die in früheren Jahren mit solchen Experimenten im Lande verbunden waren. So hat dieser teure Mann Herzl, zu dessen besten Freunden er gehörte,, allezeit Ehre gemacht. Sein Andenken wird in der Geschichte des Zionismus fortleben. Wer die Toten des Jahres betrauert, muß jedoch vor allem dem Schmerze Ausdruck verleihen über das bittere Leid, das über das jüdische Volk und über Erez Israel durch das Hinscheiden des „Vaters des neuen Erez Israel*', des BARONS BENJAMIN EDMOND DE ROTHSCHILD, gekommen ist. Wenn sonst ein Mensch in so hohem Alter stirbt, ist es nur ein natürliches Geschehen. Nicht so bei einem großen Manne. Wie sein Lebenslauf ruhmvoll, wunderbar und beispiellos war, so weckt sein Hinscheiden Trauer und Sehnsucht. So hat auch der Tod dieses Mannas dem Herzen des Volkes eine Wunde geschlagen, als wäre er in der Blüte seiner Jahre uns entrissen worden. Das ist mehr als ein gewöhnlicher Todesfall, das ist ein Ereignis für Geschlechter, der Abschluß eines Kapitels Zeitgeschichte. Viel hat Gott uns mit diesem Manne geschenkt und viel mit ihm von uns genommen. Er hat ihn zu einem erhabenen Zeugen gemacht für den Glauben bis an den Tod, zum Symbol jüdischer Pflichterfüllung und Treue zu Zion. Unvergänglicher Lorbeer schmückte seit vielen Jahren das Haupt Baron Rothschilds, alle Blüten der Kunst, der Weisheit, der Menschenliebe und der Liebe zur Heimat zierten diesen Fürsten in Israel. Doch nur eine Leidenschaft loderte wie Feuer in seinem Innern, nur eine Ehre begehrte er: die heiße Liebe zu Erez Israel und zum jüdischen Glauben. Er war vom Scheitel bis zur Sohle ein jüdischer Mensch, ein Fels, an dem sich die Wellen der Assimilation brachen, mochten sie noch so toben. Die Meinung seiner Umgebung konnte seinen Willen nicht brechen, der Wille der Menge seine Augen nicht blenden. Er tat, was er als treuer Jude zu tun für nötig fand. Er fürchtete keinen Menschen, fürchtete nur Gott. Keine Enttäuschungen konnten ihm die Erkenntnis rauben, daß von Zion das Heil Israels kommen wird. Noch, als seine Lebenssonne sich neigte, erfüllte ihn die Sorge um den Auf-