Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 149)
- Language
- German, English, Hebrew
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146 4- Kongreß-Sitzung: Totenfeier Herzen, aus seinem zarten Empfinden, aus seiner Seele, die trotz des abgeklärten, auf den ersten Blick kühlen Charakters, in göttlichem Feuer flammte für die Nöte seines eigenen Volkes sowie anderer nationaler Minderheiten. Er war einer der Beherztesten und Arbeitsamsten. Aus eigener Kraft, durch unermüdlichen Fleiß, in seltener Selbstlosigkeit stieg er allmählich zu jenen hohen Stellungen empor, auf denen er festen Fuß faßte. Er war tolerant gegenüber jeder Meinung, und bereits in seiner Jugendzeit, in den Studentenjahren — damals gehörte er zu den ersten, die ihr Leben dem Zionismus weihten — hütete er die Abgeklärtheit seines Geistes, die Würde seiner Persönlichkeit und vor allem jenes unbegrenzte Streben nach Wahrheit, das den wahrhaft moralischen Menschen erschließt. Er gehörte zu den ganz wenigen, die keinen Gegner hatten. Wir haben unseren Führer auf der Grabstätte am Oelberg in Jerusalem zur ewigen Ruhe gebracht. Tausende aus allen Ecken der Welt kamen, ihm die letzte Ehre zu erweisen. So ging er zu seinen Vätern ein, Arie Leib Motzkin, der Mann mit dem guten Herzen und dem erhabenen Geistesadel, der all sein Leben, all sein Wirken* all seim Streben dem Zionismus geweiht hat. Sein Leben trägt den Stempel der Unsterblichkeit. Die Erde sei ihm leicht, sie deckt einen der besten und reinsten Menschen. Tief erschüttert trauern wir über den Tod unseres größten nationalen Dichters CHAIM NACHMAN BIALIK. Unsterblich wie die großen Taten des Verstorbenen als Fürst im Reiche der hebräischen Dichtung, als genialer Schriftsteller, Publizist, Ethiker, jüdischer Wissenschafter, Uebersetzer, Redakteur und Buchverleger, ebenso unsterblich bleibt sein Wirken als Führer, der unserer Renaissance in Erez Israel Richtung gegeben hat. Der Tod dieses großen Mannes hat dem jüdischen Volke einen großen Lehrer genommen, der den Gipfel von Geistesklarheit und Arbeitsfreude erreicht hatte. Die hebräische Renaissancebewegung hat durch den Tod dieses Großen einen schweren, unersetzlichen Verlust erlitten, der in Erez Israel und in allen Ländern der Galuth als nationales Unglück empfunden wurde. Bialiks Leben war der Aufgabe geweiht, dem Volke Israel Ehre und Ruhm zu schaffen. In Schrift und Wort wies er die Leser seiner Schriften und seine Hörer auf die Klarheit und Reinheit unserer überlieferten Ideale hin, darauf, was ewig ist in der Geschichte unserer Generationen, um in ihre Herzen Ehrfurcht vor unserer Thora, unserer Sprache und unserem Lande als unbedingtes Erfordernis für die Stärkung unseres Volkes einzupflanzen. Er war ein hervorragender „Talmid chacham", er strömte über von der Fülle des Reichtums der Bibel und des Talmud und hörte nicht auf, diesen Reichtum durch unaufhörliches Studium zu mehren. Er besaß ein lebendiges inneres Verhältnis zum Ostjudentum. Es hatte seine Wurzeln in der Liebe zu seinem Vaterhause und in der Erinnerung an seine Jugendzeit in der Jeschiwah. Alle Bewegungen der neuen Zeit, der neuen Wissenschaft