Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 108)
- Language
- German, English, Hebrew
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Brodetsky 105 liegen, Juden ihre Arbeit verlieren. Es bedeutet, daß nicht die Stadt das Land verschlingen darf und daß ein ausgeglichenes jüdisches Wirtschaftssystem in Palästina ermöglicht wird. Eine der hauptsächlichsten politischen Aufgaben der Zukunft ist die Fortsetzung dieses Kampfes für beschleunigte Einwanderung. In diesem Zusammenhang müssen wir von der Regierung fordern, daß sie ihrer Verpflichtung gegenüber der jüdischen Einwanderung nachkommt, indem sie mithilft, das Maß zu erweitern, in dem Palästina jüdische Einwanderer aufnehmen kann. Palästina muß sich in bezug auf Straßen, Eisenbahn, Häfen, Post, Luftfahrt, Telegraph und Telefon noch sehr entwickeln — all das trägt zur allmählichen Entwicklung des Landes bei. Palästinas Quellen liegen in seinem angesammelten und ständig steigenden Ueberschuß. Bei dieser Entwicklung kann Palästina eines der wichtigsten Zentren des Welthandels und -Verkehrs werden. Es besteht ferner das Bedürfnis nach erzieherischem, medizinischem und sozialem Fortschritt. Möchte doch die Regierung mit einem Bruchteil das Glaubens unserer Chaluzim aller Kategorien in Palästina arbeiten! Dann wird Palästina vorwärtskommen, und das jüdische Nationalheim wird gleichzeitig mit den Interessen der arabischen Bevölkerung die Förderung erfahren, die für die Entwicklung des Landes notwendig ist. Ich möchte hinzufügen, daß es Zeit ist, einmal die ganze Arbeiter¬ und Arbeits frage in Palästina zu prüfen. Ich glaube, es ist sieben oder acht Jahre her, daß seitens der Regierung die elementarsten Erfordernisse der Arbeitsverhältnisse, wie Minimallöhne, Entschädigung für Arbeitsunfälle, Arbeiterversicherung usw. überprüft worden sind. Seit dieser Zeit ist die jüdische Bevölkerung Palästinas fast auf das Dreifache angewachsen, und das Land hat infolgedessen ein Stadium finanzieller Stabilität erreicht, das den Neid anderer Länder erregt. Juden haben zahllose industrielle Unternehmungen eröffnet, die von Jahr zu Jahr größer werden, und jeden Monat werden weitere große Unternehmungen im Lande errichtet. Es ist Pflicht der Regierung gegenüber allen Einwohnern Palästinas, dem Arbeiter einen sicheren und festen Platz im Wirtschaftssystem zu geben. Es ist dies Pflicht der Regierung gegenüber den arabischen Arbeitern, von denen die weitaus überwiegende Mehrzahl unter Bedingungen lebt, die eines modernen Staates unwürdig sind. Es ist dies Pflicht der Regierung aber auch gegenüber den jüdischen Arbeitern, die in so hohem Maße zur Schaffung der für das Land so erwünschten Bedingungen beigetragen haben und die sich aus lebenswichtigen Teilen des wirtschaftlichen Aufbaues durch Ausnutzung billiger und ungeschützter Arbeit verdrängt sehen. Wir sind nach Palästina nicht als Ausbeuter billiger Arbeit gekommen, und kein Jude will die Schaffung einer jüdischen Oberschicht und einer arabischen Unterschicht im wirtschaftlichen Aufbau des Landes. Ich will hier nicht von der Zahl der jüdischen Einwanderer sprechen, die in den kommenden Jahren nach Eres Israel einwandern sollen. Hätten wir vor zwei Jahren versucht, die Höhe der Einwanderung in den ersten sechs Monaten des Jahres 1935 zu prophezeien, so weiß ich